Die Filme American Psycho (2000) und der im UniWehrsEL besprochene „No other choice“ (2025) sind preisgekrönt und in der Handlung umstritten. Grund genug für einen Leser, sich den in den 2000er Jahren gedrehten Film, der die Welt durch die Augen eines amerikanischen Psychopathen beschreibt, in den Vergleich zu dem 2025 entstandenen koreanischen Film zu setzen, indem ein Mann dem Mantra folgt, er hätte keine andere Wahl. Beide Filme scheinen auf den ersten Blick im Genre der „schwarzen Komödie“ verwandt. Denoch gibt es Unterschiede, bedingt durch Gesellschaft, Sozialisation und Zeitgeist. Im Gegensatz zu American Psycho sind die mörderischen Handlungen des Protagonisten in „No other choice“ nicht Ausdruck narzisstischer Bedürfnisse reicher Möchtegerne, sondern Verzweiflungstaten eines Menschen, der in einer KI-optimierten Gesellschaft seinen Status nicht verlieren möchte.
Liebe UniWehrsEL-Lesende,
in der aufregenden Zeit der 2000er Jahre war „American Psycho“ für den einen ode die andere nicht nur ein satirisches Buch oder ein Film, sondern ein kulturelles Phänomen – ein schockierendes Meisterwerk, das die Hoffnung der Menschen reflektiert, reich genug zu sein, um ein Leben ohne Regeln führen zu können.
„…and when you’re a star, they let you do it. You can do anything. […] Grab them by the pussy. You can do anything.“ Dieses berüchtigte Zitat aus dem „Access Hollywood“-Band von 2005, das im Oktober 2016 während des US-Wahlkampfs veröffentlicht wurde, offenbart eine schockierende Wahrheit über Macht und gesellschaftliche Normen.
Sinngemäß übersetzt bedeutet es: „…und wenn du ein Star bist, lassen sie es dich tun. Du kannst alles machen. […] Pack sie einfach an der Muschi. Du kannst alles machen.“ Diese Worte verdeutlichen die toxische Beziehung zwischen Reichtum, Macht und der Illusion von Freiheit, die in „American Psycho“ von Bret Easton Ellis eindringlich thematisiert wird.
Die Begegnung im Kino: Ein fast religiöses Erlebnis?
Die Verfilmung von „American Psycho“ mit Christian Bale stellt eine Art cineastisches Erlebnis dar, das für viele junge Männer in den 2000ern wie eine religiöse Begegnung wirkte. Bale verkörpert Patrick Bateman in einer Art und Weise, die die meist männlichen Besucher fesselt und gleichzeitig verstört. Die stilisierte Präsentation der Oberflächlichkeit und Dekadenz in dieser Welt der Yuppies führt zu einem tiefen emotionalen Konflikt. Jedes Mal, wenn ich den Film sehe, fühle ich mich, als würde ich das Buch selbst lesen – als wäre es meine persönliche Bibel der Gesellschaftskritik, die mir die Augen für die Abgründe kapitalistischen Welt öffnet.
Niemand bleibt unberührt von der schockierenden Geschichte des Wall-Street-Bankers und Serienkillers Patrick Bateman. Dieses düstere Meisterwerk von Bret Easton Ellis hat sich wie ein Schatten über die Literatur gelegt und wird nie ganz aus dem Gedächtnis verschwinden. Von 1995 bis 2001 war der Roman in Deutschland indiziert – die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften stufte ihn als gewaltverherrlichend und verrohend ein. Seit seinem Erscheinen im Jahr 1991 hat dieser immens einflussreiche satirische Roman die Gemüter erhitzt und teilt die Leser in begeisterte Fürsprecher und empörte Gegner.
Bret Easton Ellis bastelte an seiner literarischen Bombe, die 1991 – Ellis war 27 – hochgehen sollte. American Psycho nennt er seine Geschichte vom Wallstreet-Yuppie Patrick Bateman, der dem nachgeht, was im New York der Achtziger angesagt ist: extravagant dinieren, die In-Clubs entdecken, koksen, Designer-Klamotten tragen und sich über die neuesten Trends informiert zeigen. Diese Welt des Überflusses erinnert stark an den US-Präsidenten Donald Trump und seine Art, Reichtum als eine Art Freibrief für seine Perversionen zu nutzen. Wer sich im Geld wälzt, kann sich oftmals alles erlauben. Dabei schreckt Bateman, ausgerüstet mit Schlagbohrmaschine und Bolzenschussgerät, nicht davor zurück, in seine perversen Fantasien einzutauchen und bestialische Sexualmorde zu begehen.
Auf 549 gnadenlosen Seiten entfaltet Ellis einen Albtraum der Oberflächlichkeit, der das hochkomische, zugleich absurde Porträt der ersten Yuppie-Generation zeichnet. Die Sucht nach Zerstreuung, die innere Hohlheit und die panische Angst, nicht mehr „in“ zu sein, werden in einem Atemzug mit brutalen Gewaltexzessen eingefangen. Auf schockierenden 30 Seiten entfaltet sich ein Universum aus Mord und Totschlag, gefüllt mit Gräuelszenen von der Intensität Boschs „Garten der Lüste“, die selbst den hartherzigen Menschen den Magen umdrehen und das Herz schwer machen. Jeder Leser wird gezwungen, sich mit der dunklen Natur des Menschen auseinanderzusetzen – eine bittere und zugleich aufrüttelnde Erfahrung, die selbst die stärksten Nerven herausfordert.
Bret Easton Ellis hat sehr genau beobachtet und ist sehr detailverliebt. Die Spaltung der Leserschaft liegt in seinem meisterhaften Einsatz von Präzision, mit der er die Accessoires seines Personals in überbordender Ausführlichkeit schildert. Hier manifestiert sich die Absurdität des reinen Materialismus, die mit einem scharfen Blick für das Detail zugleich den Kontrast zwischen äußerer Perfektion und innerer Leere verdeutlicht.
Die Sammelleidenschaft ähnelt der des Goldschmieds Cardillac, dessen Einstellung seine Beziehungen und seine Existenz bestimmt. Cardillac kämpft zwischen der Besessenheit für sein Werk und der Liebe zu seiner Tochter. Sein Streben nach Perfektion erinnert an Fafner aus der Nibelungensage, der den Niebelungenschatz hütet, von seiner Gier getrieben und in eine isolierte Existenz gefangen.
Ähnlich wird auch Bateman von seiner Obsession für Statussymbole, Designerklamotten und konsumeristisches Verhalten angetrieben. Beide Figuren sind in ihrer jeweiligen Besessenheit gefangen und opfern letztlich tiefere menschliche Verbindungen, um ihre Besitztümer zu mehren. Wo Cardillac seine Liebe zu exquisiten Schmuckstücken über alles stellt, verliert Bateman sich in einem verzweifelten Wettlauf um gesellschaftliche Anerkennung und Macht. Beide stehen am Abgrund – der eine durch seine Gier, der andere durch seinen materialistischen Nihilismus.
Das Verbot, das diesem Roman auferlegt wurde, bedeutete, dass er nicht mehr offen beworben oder an Minderjährige verkauft werden durfte. Ironischerweise führte diese Indizierung zu einer enormen öffentlichen Aufmerksamkeit, die das Interesse an diesem provokanten Werk nur steigerte. Es ist, als würde die verbotene Frucht nur noch verlockender, und die Leser fühlten sich zu dieser dunklen Erzählung hingezogen.
Körperkult und der Etikettenwahnsinn
Bateman, dieser aalglatte Investmentbanker, lebt in einem Universum, in dem Körperkult und Markenkonsum die höchsten Werte darstellen. In seiner Obsession zeigt sich die Wahrheit des obengenannten Zitats, das Donald Trump einst äußerte. So zieht Bateman durch die Straßen New Yorks und vereint Dekadenz und Leistungsfähigkeit in einer Person. Die detailverliebte Aufzählung von Designermarken unterstreicht nicht nur seine Identität, sondern offenbart auch die emotionale Leere seiner Existenz – eine eindringliche Kritik am Materialismus.
Gewalt und Hoffnung in der Dekadenz
Die grafischen Darstellungen von Gewalt, die in „American Psycho“ ein zentrales Element bilden, sind nicht nur schockierend, sie zeigen auch die gesellschaftliche Gleichgültigkeit. Wie Bateman seine Übergriffigkeit zu einem Spiel macht und von seiner Umgebung ignoriert wird, offenbart die schmerzhafte Frage: Wo bleibt die Hoffnung? Die Überhandnahme der Gewalt ist eine groteske Antwort auf die stagnierenden Emotionen einer anonymen Gesellschaft, die von Konsum und Oberflächlichkeit geprägt ist.
Vergleich mit „No Other Choice“
Während Man-soo in „No Other Choice“ als Symbol für den gewöhnlichen Angestellten auftritt, wird er von der kalten Maschinerie des Arbeitsmarktes überrollt. Seine Verwandlung in einen kaltblütigen Mörder ist nicht nur eine persönliche Tragödie, sondern ein Spiegelbild einer Gesellschaft, in der menschliche Werte gegen Effizienz und Profit eingetauscht werden.
Hier wird das mörderische Potenzial des Kapitalismus schmerzhaft sichtbar. In einer Welt, in der Unternehmen nur noch Zahlen und Statistiken kennen, bleibt der Einzelne auf der Strecke. Man-soo, einst loyal und fleißig, wird zum Spielball wirtschaftlicher Kräfte, die ihn ausspucken, sobald er nicht mehr rentabel ist. Der vermeintliche Erfolg – das Eigenheim, die Familie – zerbricht, als er entlassen wird. Seine Reaktionen sind nicht willkürlich, sondern das Resultat eines Systems, das zwischen Menschen und ihrem Wert eine klare Trennung zieht.
Bei Patrick Bateman sieht der Zuschauer, dass seine Handlungen nicht allein Ausdruck seiner psychischen Erkrankung sind, sondern auch der daraus resultierende Wahnsinn einer oberflächlichen Konsumwelt. Bateman ist ein Produkt des Systems, einer, der die Menschen um sich herum nicht mehr als Individuen, sondern als Objekte wahrnimmt, die nach Belieben manipuliert werden können. Hier wird der Kapitalismus zur satirischen Anklage an die selbstzerstörerische Natur des übermäßigen Konsums und der Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leben.
Aber ist es das Ende? Ist die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft in Anbetracht solcher grausamen Entgleisungen verloren? Vielleicht nicht. Die filmschaffenden Künstler zeigen nicht nur das Schreckliche – sie setzen auch einen Funken der Hoffnung. Im Chaos und der Verzweiflung, die Man-soo und Bateman umgeben, liegt die Möglichkeit zur Veränderung versteckt.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns zusammentun, um vom Einzelkämpfer zum Gemeinschaftsgeist zu werden. Um uns gegenseitig zu stützen und Zweckgemeinschaften zu bilden, die nicht nur auf Gewinnmaximierung, sondern auf menschliche Werte und solidarisches Handeln setzen. Die Anzeichen eines Wandels sind sichtbarer denn je – das Streben nach mehr Nachhaltigkeit, soziale Bewegungen und ein wachsendes Bewusstsein für die Auswirkungen unserer Entscheidungen.
Der Kapitalismus mag mörderische Züge annehmen, doch die Hoffnung auf eine menschlichere Zukunft bleibt. Lassen Sie uns dafür kämpfen, dass die graue Masse des ökonomischen Drucks nicht über uns siegt, sondern dass wir gemeinsam einen Weg finden, die Ketten zu sprengen und einander das Leben zurückzugeben.
Fazit: Die bittersüße Hoffnung
„American Psycho“ ist nicht nur ein Roman; es ist ein Spiegel, der uns die dunklen Ecken des menschlichen Daseins vor Augen führt. Selbst in der abgründigen Dekadenz und brutaler Gewalt schimmert eine leise Hoffnung durch – die Hoffnung, dass die Menschen die Fähigkeit besitzen, sich selbst zu erkennen und sich zu verändern. Diese Botschaft ist zeitlos und ermutigt die Leserschaft, über Körperkult und materielle Werte hinaus menschliche Verbindungen zu suchen.
Liebe Grüße
S. N.




