„Blood & Sinners“ das Südstaaten-Vampir-Musical, der Oscar-Favorit
Blood & Sinners, zu deutsch Blut und Sünder, ist gerade in aller Munde und hat mit 16-Oscar Nominierungen kräftig abgeräumt. Der Film ist somit schon jetzt erfolgreicher als „Titanic„, der 11 Oscar-Nominierungen erhielt. Was macht diesen Film so spannend? Er wird als Vampirfilm beworben, aber in der Geschichte steckt so viel mehr. Statt dass eine Figur einfach von einem Vampir gebissen wird, bietet der Film ein enormes Potential. In „Blood & Sinners“ wird die Figur des Vampirs zu einem faszinierenden Symbol für Transformation der Gesellschaft. Er steht nicht nur für die klassischen Elemente von Gefahr und Faszination, sondern fungiert auch als Katalysator, der die Beziehungen zwischen den Charakteren tiefgreifend beeinflusst.
Diese vampirische Präsenz bringt die Themen von Identität und Rassenzusammenhalt in den Fokus, während sie gleichzeitig die Zuschauer dazu anregt, über die emotionale Tiefe von Seelenverwandtschaften nachzudenken – sei es zu Menschen oder zu Tieren, die oft als spirituelle Begleiter auftreten. Der Vampir verkörpert die Suche nach Verbindung in einer gespaltenen Welt und zeigt, dass selbst das Dunkelste einen Weg zur Einheit und zum Verständnis bieten kann. Diese vielschichtige Darstellung macht den Film besonders spannend und relevant in der heutigen Zeit.
Regisseur Ryan Googler entführt die Zuschauer in eine interessante Welt, in der die Handlung in den 1930er in Mississippi spielt, mitten in der Zeit der Großen Depression. Ein junger schwarzer Mann mit einer zerbrochenen Gitarre taucht vor einem Gotteshaus auf und stürmt den Gottesdienst seines Vaters. Im Film geht es um Menschen, die eine besondere Begabung haben: Sie sind spirituell und können über ihre Musik ein Tor zu einer anderen Welt öffnen. So ein besonderer Mensch ist der junge schwarze Mann, der die Kirche gestürmt hat.
Zusätzlich geht es um die Zwillinge Smoke und Stack, gespielt von Micheal B. Jordan. Sie haben zuvor in Chicago gearbeitet und kehren nun in ihre Heimat zurück, um eine Blues-Bar zu eröffnen. Sie kaufen einem örtlichen Klu-Klux-Klan-Mitglied eine Scheune ab. Aus Chicago haben die Brüder einen Truck mit Alkohol, vermutlich von dem Verbrechersyndikat um Al Capone abgezweigt. In der Zeit der Prohibition ist Alkohol offiziell verboten, und die Brüder bieten zudem Glücksspiel an. Ihre Kunden sind die hart arbeitenden Schwarzen von den Baumwollfeldern. Das ist ein riskantes Unterfangen: Das Verbrechersyndikat zu bestehlen und dem Klu-Klux-Klan eine Scheune abzukaufen, um einen geschützten Raum für die schwarzen Arbeiter zu schaffen, ist idealistisch, aber die Brüder sind auch Kapitalisten und möchten gut verdienen.
Im Zentrum von „Blood & Sinners“ steht die besondere Verbundenheit der Brüder Smoke und Stack, die trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere ein gemeinsames Ziel verfolgen: einen Safe Space für die schwarzen Arbeiter in ihrer Heimat zu schaffen. Ihre Rückkehr nach Mississippi aus Chicago spiegelt den Wunsch wider, eine sichere Zuflucht zu bieten, in der ihre Community Musik und Freiraum genießen kann, frei von Diskriminierung und Gefahr.
Allerdings ist diese Idee nicht gut durchdacht, da die meisten ihrer Kunden kaum echte Dollar von den Farmbesitzern bekommen, sondern nur Holzgeld. Wie wollen die Brüder dieses Holzgeld in echtes Geld umwandeln? Werden sich die Baumwollbesitzer mit diesem Geschäftsmodell arrangieren? Der bereits erwähnte junge Mann heißt Sammie, genannt Preacherboy, und ist ihr Cousin. Die Brüder haben sein musikalisches Talent frühzeitig erkannt und gefördert, indem sie ihm eine Gitarre geschenkt haben. In der Scheune soll er die Musik machen. Smokes frühere Geliebte soll die Barkeeperin werden.
Es gibt Konflikte zwischen Baumwollbesitzern, zwischen ehemaligen Eheleuten, und zwischen Vater und Sohn sowie Pastor und Sohn, sodass dies ein spannendes Drama werden könnte.
Doch der Vampir muss in dieses wilde Setting eingeführt werden. Der Vampir taucht ohne Erklärung aus dem Nichts auf. Er wird von einer Gruppe Indianer gejagt und sucht bei weißen Menschen Schutz. Als diese ihm helfen, werden sie zum Dank in Vampire verwandelt. Gemeinsam machen sie die Gegend unsicher und stoßen auf die schwarzen Menschen, die sich in der Scheune versammeln, um Spaß zu haben – die Sinner finden ihren Weg.
Aus der Sicht des Vaters von Sammie gehört alles, was den schwarzen Menschen angetan wird, der Bestrafung an, weil sie nicht gottesfürchtig waren und es gewagt haben, sich zu amüsieren. Natürlich wollen die Schwarzen die drei weißen Vampire nicht in ihrer Scheune haben, da sie wissen, dass weiße Menschen in Bars mit schwarzen Menschen immer für Ärger sorgen. Nach den ungeschriebenen Gesetzen der Vampire müssen diese jedoch eingeladen werden, um die Scheune betreten zu können. Ausgerechnet die weiße Mary bricht die Regeln und lässt die Vampire herein. Sie ist mit den Schwarzen aufgewachsen und war die Freundin von Stack. Die Liebe wird somit zum Einfallstor für die Vampire. Indirekt besagt der Film, dass sich weiße und schwarze Menschen nicht vermischen dürfen, da es böse Konsequenzen für beide Seiten hat.
Ein Vampirgemetzel wäre ein erwartbares Ende für einen Vampirfilm. Jedoch bringt der Biss von Mary, der weißen Frau, eine dramatische Wendung in ihre Beziehung. Während eines entscheidenden Moments transformiert er Stack in einen Vampir und trennt ihn dadurch von seiner menschlichen Identität und von seinem Bruder. Diese Trennung ist nicht nur physisch, sondern auch emotional und symbolisch. Sie verdeutlicht die Komplexität der Beziehungen in einer von Rassenspannungen geprägten Welt. Als Vampire sind die Menschen eine Einheit. Sie teilen gemeinsame Erinnerungen und fühlen sich verbunden. Diese Perspektive wirft einen neuen Blick auf das Vampirsein. Der böse weiße Vampir, der aus dem Nichts kommt, wird von dem Schwarzen vernichtet und verliert somit seine bösen Eigenschaften. Für Mary und den zum Vampir mutierten Stack ist Vampirsein ein Ausweg aus dem Rassenproblem. Sie können nun als Unsterbliche zusammenleben.
In der letzten Szene des Films trifft Sammie auf die beiden Vampire. Sie bieten ihm an, nach einem langen, glücklichen Leben als Musiker, ihn ebenfalls unsterblich zu machen. Musik verbindet alle Menschen – so lautet eine zentrale Botschaft des Films. In einer Kampfszene kurz vor dem Ende bringt Smoke die bösen Klu-Klux-Klan-Leute um. Diese Szene ist besonders martialisch und stellt für Smoke einen Punkt ohne Wiederkehr dar. In seinem Tod wird er schließlich mit seiner Familie wiedervereint. Ist das ein tröstliches Ende?
„Blood & Sinners“ ist ein facettenreicher Film, der nicht nur die Elemente eines klassischen Vampirfilms nutzt, sondern auch tiefgründige Themen wie Rassismus, Identität und Gemeinschaft behandelt. Durch die Integration von Musik als verbindendes Element und die Erkundung der Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen schafft der Film eine berührende und nachdenkliche Atmosphäre. Die Geschichte regt dazu an, über Vorurteile und soziale Ungerechtigkeiten nachzudenken, und bietet gleichzeitig spannende Charakterentwicklungen und unerwartete Wendungen.
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