Was gerade geschah XVIII; Museumsführer Preßler ist völlig irritiert, als er eine irritierende Musik vom Band hört und gleichzeitig eine Person festhalten will, die aber entkommen kann. Mit deren Perrücke in der Hand erwischt ihn der Opernkenner I. Burn. Und dann taucht auch noch unverhofft die Literaturkennerin Claudia Elfriede auf …
Eingefügte Szene K.B.: Gespräch mit Ivo Burn (im Filmmuseum Frankfurt)

Im Filmmuseum Frankfurt treffen Geschichte und Bildkunst aufeinander. Auf über 150 m² hängen Filmplakate, Originalrequisiten und seltene Filmstreifen, die das kulturelle Erbe der Stadt dokumentieren. Kommissar Ritter ist hier häufiger Gast und liebt Filme wie Alien:Romulus, um auf andere Gedanken zu kommen.
Heute ist das Kino im Museum für ihn ein Schauplatz, an dem er die Verbindung zwischen dem historischen Mord an der Frankfurter Prostituierten Rosemarie Nitribitt, dem Film üer „das Mädchen Rosemarie“ und dem aktuellen Verbrechen zu entschlüsseln versucht. Er verfolgt in Gedanken eine heiße Spur, die er im Film (1996) mit Nina Hoss in der Hauptrolle, vermutet. Angekündigt war der Film mit den Zeilen: „Der Film interpretiert Nitribitts Schicksal neu, verbindet das wahre Verbrechen mit einer stilisierten, fast mythischen Erzählweise und lässt das Publikum die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.“ Ritter verzieht das Gesicht.

Vor ihm liegt die Leiche einer Frau, die exakt wie die Schauspielerin aus Das Mädchen Rosemarie aussieht. Neben ihr läuft die seltsame Musikkombination.
Burn (lehnt sich an einen Tisch, lächelt kalt): „Meine Damen und Herren! Sie hören die Melodie aus Rigoletto – Maddalena, die Kurtisane. Und daneben das Lied Pretty Woman. Der Mörder spielt mit den Rollen, die er kennt.“
Ritter (schüttelt den Kopf): „Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet. Das klingt für mich wie Werbung für ein Parfüm, nicht wie ein Hinweis.“
Burn (zieht die Augenbrauen hoch): „Ein Musical über eine Prostituierte? Das darf doch nicht wahr sein! Aber klar, das ist der Hinweis – der Mörder mischt Realität und Fiktion, um uns zu verwirren. Er nutzt Nitribitts Bild, den Film und dieverse Opern, um ein Narrativ zu spinnen, das er immer wieder neu inszeniert.“
Eingefügte Szene B. R.: Claudia Elfriede erklärt den Zusammenhang
Claudia Elfriede wirkt überheblich: „Ich habe jahrelang Literatur und Theater studiert. Jetzt passen Sie bitte einmal ganz genau auf, damit Sie die Zusammenhänge auch begreifen! Der Film Rosemarie hat das Bild von Nitribitt mythologisiert. Er zeigt sie als tragische Heldin, nicht nur als Opfer. Der Mörder nimmt dieses Bild, kombiniert es mit der Oper Rigoletto – dort ist Maddalena, die Kurtisane, die den Herzog verführt – und mit dem modernen Musical Pretty Woman, das von einer Prostituierten handelt, die sich einen reichen Mann angelt. Er schafft so ein dreifaches Motiv: Opfer, Verführung und Rache.“
Ritter wirkt skeptisch: „Glauben Sie wirklich, jemand sei so raffiniert uns glauben zu machen … Also soll ich glauben, dass ein Mörder eine Oper, ein Musical und einen Film mixt, um seine Taten zu planen?“
Claudia Elfriede (ernst): „Genau das. Er will, dass wir die Verbindungen übersehen. Wenn wir das Bild von Nitribitt, die Szene aus Rigoletto und den Refrain von Pretty Woman zusammenbringen, sehen wir sein Muster: Er wählt Frauen, die in der Öffentlichkeit als „verführerisch“ oder „opferhaft“ gelten, und tötet sie dann nach einem festgelegten Ritual – von einer bestimmten Melodie getragen, wie ein Kunstwerk, drapiert, Symbole für bestimmte Frauenrollen in Opern, Filmen, Musicals und immer spielt die Magie der Musik eine tragende Rolle für ihn.“
Sie malt mit dem Finger illustrierend ein Bild in die Luft: „Der Mörder nutzt genau diese dreifache Verknüpfung: Erstens Nitribitt‑Bild – das ikonische Foto aus den 1950er Jahren, das er als visuelle Vorlage für seine Opfer wählt. Zweitens Maddalena aus Rigoletto – die musikalische Untermalung, die er immer wieder abspielt, um das Motiv der verführerischen Kurtisane zu verstärken. Drittens Pretty Woman Musical an der Alten Oper – die aktuelle Inszenierung, die die Geschichte einer modernen Kurtisane erzählt.“

Und geradezu triumphierend fügt sie, die staunenden Männer anstrahlend, hinzu: „Indem er diese drei Elemente mischt, schafft unser Täter oder auch Täterin ein kulturelles Rätsel, das nur jemand erkennt, der sowohl die Geschichte von Nitribitt, die Oper Rigoletto als auch das aktuelle Musical Pretty Woman kennt. Er will, dass wir die Verbindungen übersehen, weil er glaubt, dass wir dann blind für sein Muster bleiben. Aber ich erkenne sein Ritual.: Er wählt Frauen, die in der Öffentlichkeit als verführerisch oder als Opfer gelten, legt sie neben ein Kunstwerk, das an den Film erinnert, und lässt im Hintergrund die gleiche Melodie laufen. Das ist sein Signatur‑Mord‑Code.“
Herzlichen Dank für Ihre spannenden Ideen zu unserer Schreibwerkstatt mit den zahlreichen Frankfurter Tatorten und der Rolle der Musik. Schön wäre es, wenn Sie uns auch die passenden Bilder zu Ihren Ideen liefern würden. So greifen wir auf die Images von Pixabay zurück und bedanken uns unter anderem bei Olga Oginskaya auf Pixabay
