Der Film The Housemaid, der gerade in die Kinos in Deutschland gekommen ist, hat den Kritiker I. Burn dazu bewegt, für das UniWehrsEL eine Filmbesprechung zu schreiben. Er stellte die Frage, ob sich dieser Fim denn lohne. Ein Antwortbrief von Izzy Neven, die ebenfalls zu unserem Redaktions-Team gehört, ließ nicht lange auf sich warten. Neven erinnert die aktuelle Debatte um Sydney Sweeney in The Housemaid stark an die Diskussion um Megan Fox in Jennifer’s Body (2009). Beide Fälle zeigen, dass sich an der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Frauen in der Unterhaltungsindustrie kaum etwas geändert hat. Dass Sex sells: Wie Frauen mit Esprit, Sinnlichkeit und Selbstbewusstsein die Welt erobern hatten schon die Autorinnen wie Hirschler& Co. in ihrem nicht ganz ernst zu nehmendem Buch (Erscheinungsdatum 8. Januar 1900?) herausgearbeitet.

Der Trailer zu Jennifer’s Body setzte ausschließlich auf Fox’ körperliche Attraktivität. Enge Kleidung, provokante Posen und ein ständiger Verweis auf „Sexyness“ dominierten die Werbekampagne. Kritiker bemängelten, dass das eigentliche feministische Narrativ – die Selbstfindung einer jugendlichen Frau in einer von Männern dominierten Welt – von der reinen Sexualisierung der Hauptfigur überschattet wurde. Jennifer’s Body präsentierte Megan Fox als übersexualisierte Cheerleader‑Jennifer, während Amanda Seyfrieds Anita („Needy“) als Gegenpol fungierte.
Der Trailer versprach viel Sex- und Nacktheit. Die Regisseurin Karyn Kusama inszenierte den Film nach einem Drehbuch von Diablo Cody, die 2007 für Juno mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Der Film Juno ist die Geschichte einer 16‑jährigen Minnesota‑Schülerin, die nach einem One‑Night‑Stand schwanger wird, zunächst eine Abtreibung in Erwägung zieht, dann aber ihr Kind austragen und zur Adoption freigeben will. Während ihrer Schwangerschaft entwickelt sie eine enge Freundschaft zu ihrer besten Freundin Leah, trifft die kinderlose, wohlhabende Loring‑Familie und erlebt eine erste Liebe mit ihrem langjährigen Freund Paulie, die schließlich zu einer festen Beziehung führt. Der Film kombiniert humorvolle Dialoge, eine einprägsame Indie‑Soundtrack‑Untermalung und einfühlsame Charakterporträts, um Themen wie Teenagerschwangerschaft, Selbstbestimmung und familiäre Verantwortung zu behandeln.
Im Vergleich dazu nutzt Jennifer’s Body das gleiche Grundgerüst – ein junges Mädchen, das plötzlich mit einer übernatürlichen Bedrohung konfrontiert wird –, um jedoch Horror‑ und schwarzen Humor zu verbinden und die sexuelle Objektivierung als zentrales Motiv zu kritisieren. Während Juno die Selbstbestimmung der Protagonistin in den Vordergrund stellt und ihre Entscheidungen mit Empathie beleuchtet, wird in Jennifer’s Body die weibliche Sexualität vor allem als verführerisches Verkaufsargument eingesetzt; die eigentliche feministische Botschaft gerät dabei häufig hinter dem Fokus auf Megan Fox’ Sex‑Appeal.
Beide Filme zeigen junge Frauen im Wandel, doch Juno lässt die Figur ihre Stimme und Seele ausleben, während Jennifer’s Body sie zunächst in ein Bild der sexy Frau verpackt, das erst im Nachhinein durch den Subtext von Diablo Cody entschlüsselt wird.
Doch im Film selbst lag die eigentliche Kraft im feministischen Twist: Die Drehbuchautorin Cody kontrastierte „zu viel Sex“ mit „gutem Sex“ und ließ zwischen den Freundinnen eine homoerotische Spannung entstehen, die schließlich in einem der heißesten Küsse der jüngeren Filmgeschichte gipfelte. Kritiker verkannten diesen Subtext häufig und reduzierten den Film auf reine Sensationslust- und Horrorspaß, während das Publikum die weibliche Selbstbestimmung in der Pubertät und die toxische Dynamik unerfüllter Freundschaftsliebe erkannte.
Eine schwarze Komödie zeichnet sich durch ein dunkles Grundthema aus, das ernst, bedrohlich oder moralisch verwerflich ist – etwa Tod, Gewalt oder Sünde – und gleichzeitig Humor aus dem Tabu schöpft. Witze, Ironie oder absurde Situationen entstehen dabei aus dem Verbotenen, sodass das Publikum über das Schockierende lachen kann. Die satirische Zielrichtung richtet den Spott gegen gesellschaftliche Normen, Ideologien oder Institutionen; in Jennifer’s Body wird die Objektifizierung von Frauen in der Pop‑Kultur und die Verquickung von Sex und Gewalt kritisiert. Übertreibung und Absurdität verstärken die Wirkung:

Megan Fox’ übersexualisierte Cheerleader‑Look wird bewusst mit übertriebenen Blut‑ und Mordszenen kombiniert, und die Idee, dass ein Dämon durch ein Männer‑Ritual entsteht, wirkt grotesk.
Ein weiterer Kennzeichen ist der Kontrast zwischen Ton und Inhalt: leichte, witzige Dialoge und fröhliche Indie‑Musik stehen im Gegensatz zu düsteren Ereignissen, was die Absurdität noch stärker betont. Die Figuren bleiben moralisch ambivalent – Jennifer ist zugleich Opfer sexueller Objektifizierung und Täterin massenhafter Morde, sodass das Publikum mit widersprüchlichen Gefühlen jongliert. Schließlich endet die Geschichte mit einem bittersüßen Nachklang: Jennifer liegt im Krankenhaus, während ihr Freund sie küsst, ein Bild von Rettung und Verdammnis zugleich. All diese Elemente – dunkles Thema, Humor aus Tabus, Satire, Übertreibung, tonaler Kontrast, moralische Ambivalenz und ein nachdenklich‑witziges Finale – bilden die typischen Kriterien einer schwarzen Komödie, die Jennifer’s Body in jeder Hinsicht erfüllt.
Sydney Sweeney – das gleiche Spiel im Jahr 2026
Sweeney ist in Deutschland vor allem durch die umstrittene „Jeanswerbung“ bekannt geworden – eine Werbeaktion, die ihre körperliche Erscheinung in den Vordergrund stellt und bewusst mit sexueller Provokation arbeitet. Im Slogan „Sydney Sweeney hat tolle Jeans“ wird auf das englische Wort „Genes“ für Gene angespielt. Der Marke wird Eugenik vorgeworfen. Die Freie Universität definiert: „Der Begriff Eugenik stammt von den griechischen Worten eu (gut) und genos (Familie, Vererbung) und beschreibt die populäre Auffassung des 20. Jahrhunderts, Vererbungs- und Selektionsregeln uneingeschränkt auf Menschen anwenden zu können und so die Leistung und Qualität der Gesellschaft zu beeinflussen.“
Trotz ihrer schauspielerischen Erfolge in Euphoria und ihrer klaren politischen Distanzierung von rechten Gruppierungen wird sie in den Medien immer wieder auf ihr Aussehen reduziert. Im Film geht es um die 17-jährige drogenabhängige Rue Bennett und eine Gruppe von Schülern, die sich sich mit Drogen, Sex, Gewalt und Freundschaft auseinandersetzt.
Die Promotion zu The Housemaid verknüpft ihre Rolle als Dienstmädchen mit dem gleichen Prinzip: Die Figur wird als verführerisch präsentiert, während die eigentliche Geschichte – ein Drama über Macht, Kontrolle und weibliche Selbstbestimmung – kaum Beachtung findet. Der Kern beider Filme ist jedoch nicht nur die äußere Inszenierung, sondern das, was in der Seele der Protagonistinnen vorgeht. Jennifer erlebt nach dem verheerenden Brand eine Verwandlung: Sie wird blass, müde und beginnt, Menschen zu töten; ein Bild für die inneren Dämonen, die durch gesellschaftlichen Druck und sexuelle Objektifizierung entstehen können. Anita, die einzige, die Jennifers Wandel erkennt, muss sich mit ihrer eigenen Angst, ihrer Freundschaft und schließlich mit einer dämonischen Besessenheit auseinandersetzen. Ihre Suche nach Wissen über Satanismus und das letztliche Durchstechen von Jennifers Herz symbolisieren den Akt der Selbstbefreiung. Nur durch das Durchschneiden der eigenen Fesseln kann die Seele wieder atmen.
Das regt zum Weiterdenken an: Satanismus und Okkultismus funktionieren, wie die Uni Hamburg konstatiert, ebenfalls nach dem Prinzip „Sex sells“. Medienberichte über okkulte Praktiken oder Phänomene führen nicht nur der Filmbranhe neue Kunden zu. Gleiches gilt für den Begriff Satanismus. der durch Wissen über schwarze Messen und Ähnliches lockt .“Was aber versteht man unter Satanismus? Wo sind die Abgrenzungen zum Okkultismus? Gibt es
diese Abgrenzung überhaupt? Und für Okkultes und Satanistisches gleichermaßen
gilt: Wann werden Ideologie und Praxis gefährlich für unsere Gesellschaft? Wie kön-
nen sich Einzelpersonen schützen? Wann ist der Staat gefordert?“
Gemeinsame Muster
Sweeney spielt heute die Rolle von Megan Fox damals. Ihre Rollen verlangen oft, dass sie Körperlichkeit und ambivalente Gefühle verkörpert, während ihr öffentliches Image fast ausschließlich über ihr Aussehen definiert wird. Die aktuelle Kontroverse um ihre politische Haltung zeigt, dass Hollywood‑Frauen nicht nur um ihre Kunst, sondern auch um ihre Ideale kämpfen müssen.
· Marktlogik bleibt unverändert. Filmstudios und Werbekunden sehen in der sexuellen Darstellung einer Frau den sichersten Weg, Aufmerksamkeit und Einnahmen zu generieren.
· Medien fokussieren das Äußere. Rezensionen, Interviews und Social‑Media‑Posts konzentrieren sich häufig auf Kleidung, Körperformen und provokante Werbekampagnen, nicht auf die künstlerische Leistung oder die inhaltliche Tiefe der Rollen.
· Kontroverse als Aufmerksamkeitsmagnet. Die „Jeanswerbung“ von Sweeney ist ein Paradebeispiel dafür, dass sexuelle Provokation bewusst eingesetzt wird, um Diskussionen zu entfachen – und damit die Sichtbarkeit zu erhöhen, unabhängig davon, ob die zugrunde liegende Botschaft feministisch oder politisch ist.
Warum sich wenig geändert hat
Die Grundannahme, dass „Sex sells“, bestimmt nach wie vor, wie Frauen in Film und Werbung präsentiert werden. Selbst wenn Schauspielerinnen wie Sweeney klare politische Positionen einnehmen und sich von rechten Vereinnahmungen distanzieren, bleibt ihr Sex-Appeal das Hauptverkaufsargument. Die Kontroverse um die „Jeanswerbung“ zeigt, dass sexuelle Provokation nach wie vor als wirksames Mittel zur Steigerung der Medienpräsenz gilt.
Ein Appell
Wir brauchen eine Kultur, in der das Talent und die Botschaften einer Schauspielerin im Vordergrund stehen, nicht ihr Sexappeal. Wenn wir weiterhin Megan Fox und Sydney Sweeney ausschließlich über ihre äußere Erscheinung definieren, verfestigen wir ein Bild, das Frauen auf ihre Sexualität reduziert und echte Gleichberechtigung verhindert.
Ich bitte daher um eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage: Wie sexy darf eine Frau sein, bevor ihr künstlerisches Schaffen und ihre Stimme überhört werden? Schreiben Sie uns bitte unter Kontakt!
Die Diskussion um The Housemaid könnte daher als moderner Spiegel der Gesellschaft verstanden werden: Beide Filme nutzen eine Bedrohungslage, um die Unterdrückung weiblicher Stimmen zu entlarven und gleichzeitig zu zeigen, dass wahre Befreiung erst dann möglich ist, wenn die Seele – jenseits von Körper und Bild – wieder gehört wird.
Abschließend appelliere ich an die Filmkritik, nicht nur die sexuelle Aufmachung zu bewerten, sondern die feministischen Botschaften und die psychologische Tiefe der Figuren zu würdigen. Nur so können wir die Diskussion von reiner Oberflächlichkeit zu einer ernsthaften Auseinandersetzung über Frauenemanzipation Gleichberechtigung führen.
Die Analyse von Jennifer’s Body und The Housemaid zeigt, dass sich an den Grundmustern der Film‑ und Medienlandschaft kaum etwas geändert hat. Die Marktlogik nutzt nach wie vor die sexuelle Darstellung von Frauen als sichersten Weg, Aufmerksamkeit und Einnahmen zu generieren. Medienberichte konzentrieren sich überwiegend auf das Äußere – Kleidung, Körperformen und provokante Werbekampagnen – und vernachlässigen die künstlerische Tiefe und die feministischen Botschaften der Rollen. Schließlich wird Kontroverse gezielt als Aufmerksamkeitsmagnet eingesetzt: Die provokante „Jeanswerbung“ von Sydney Sweeney und der sexuell aufgeladene Trailer von Megan Fox erzeugen mediale Diskussionen, die den eigentlichen Inhalt der Filme in den Hintergrund drängen. Das Ergebnis ist ein fortwährendes Muster, bei dem die Diskussion um das Aussehen einer Frau den Raum für ihre Stimme, ihre Seele und ihre künstlerische Leistung systematisch verkleinert.
Mit freundlichen Grüßen
Izzy Neven



