Du betrachtest gerade Puppen der Antike – ein Beitrag von Christian Brinkmeyer

In „Lebenszeichen aus dem AKM“ kann man nachlesen, welche Funktion und Gestalt Puppen bereits seit der griechisch-römischen Antike inne hatten. Zumeist wiesen sie die Gestalt einer jungen heiratsfähigen Frau auf. Das blieb so bis in die Moderne. Säuglingspuppen gibt es erst seit dem 20. Jahrhundert. Unter anderem kann man antike Puppen im Akademischen Kunstmuseum bewundern und betrachten, wie diese jungen Frauen geformt sind und nachlesen, dass eine unter denen deren aktuelles Lebenszeichen ist. Weiterführende Gedanken hat sich im Rahmen des Seminars „Von Puppen und Menschen“ an der Universität des 3. Lebensalters e. V. Herr Brinkmeyer gemacht, der uns schon öfters mit spannenden Beiträgen im UniWehrsEL, beispielsweise zum Kolumbarium, erfreute. Herzlichen Dank dafür!

Puppen aus der Antike

Zu den frühesten nachgewiesenen Spielzeugen gehören die Puppen. Sie hatten neben der Funktion als Spielzeug schon in der Antike die Aufgabe, dass Mädchen die „Bemutterung“ nachahmen konnten. Die frühen Puppen bestanden aus Naturstoffen wie Holz, Ton, Stoff – u. Pflanzenfasern. Je nach klimatischen Bedingungen sind solche Puppen erhalten geblieben.

Im antiken China (8. Jh. vor Chr.) wurden nachweislich Puppen hergestellt.

In Ägypten sind Puppen seit dem 21. Jh. vor Chr. nachgewiesen. Sie wurden aus Holz, Bein und Ton gefertigt. Ab 500 v. Chr. gab es Modelle mit beweglichen Gliedmaßen. Sie dienten als Spielzeug und als kultische Grabbeigaben = Votivgaben. Damit wollte man den Gottheiten danken und um etwas bitten.

Griechische und römische Antike

In der griechischen wie römischen Antike war Spielzeug genauso in den Alltag integriert wie es heute der Fall ist. Es war in der griechischen Kultur üblich, den Nachwuchs zu besonderen Anlässen mit Spielzeug zu beschenken, z. Bsp. bei Geburt, Geburtstagen oder religiösen Festen. Zahlreiche Vasenbilder zeugen von Situationen, in denen Kinder mit Puppen spielen.

Eine Besonderheit der antiken Kultur war es, am Ende der Jugendzeit symbolisch das Kinderspielzeug im Tempel einer Gottheit darzubringen.

Bei Mädchen geschah dies meist in Vorbereitung auf die Hochzeit und bei Jungen, wenn sie der Kindheit entwachsen waren.

So kann das symbolische Darbringen als eine Art Initiationsritus gesehen werden, der den Übergang von einem Lebensabschnitt in den anderen demonstriert.

Die Handwerker, die Puppen herstellten, hießen in Griechenland koroplasti und bei den Römern figuli.

Sie arbeiteten vor allem mit Ton, da er leicht zu bearbeiten und günstig war. Sie verkauften ihre Ware auf dem Markt. Schon zur antiken Zeit wurde viel Mühe investiert, um die Puppen zu vervollkommnen. So wurden sie bemalt, mit Kränzen geschmückt und den Gliedern durch Eisendrähte und Zapfen zur Bewegung verholfen.

Puppenspiel wurde nicht nur als reiner Zeitvertreib gesehen, sondern konnte auch erzieherische Ideale verfolgen. So fanden sich auf Puppen Köpfe in der Abbildung der Hera (Göttin für die Ehe und der Frau) und Aphrodite (Göttin der Liebe und Lust).

Demzufolge wurden Puppen in Form von Götterabbildern in das Spiel der Kinder integriert.

Die meisten Puppen aus der Antike sind schon deshalb nicht erhalten, weil sie aus schnell vergänglichem Material hergestellt waren: aus Holz, Stroh und Lumpen, denn die meisten Menschen hatten nicht das Geld, um ihren Kindern teure Puppen etwas aus Terrakotta oder Bein zu kaufen.

Über ca. 4 Jahrhunderte dienten die Katakomben Roms als Begräbnisstätten. In Grabkammern, in denen Kleinkinder meistens eilig bestattet wurden, dienten Puppen als Graberkennungsmerkmal.

Leider konnten nach der Plünderung Roms 410 durch die Westgoten und im 8.Jh. durch die Langobarden nur noch wenige Puppen in kleineren Katakomben gefunden werden.

Klassische Puppenstuben, wie wir sie aus späteren Jahrhunderten kennen (Renaissance, Barock, Biedermeier), gab es in der Antike nicht. Echte Puppenstuben als Spielzeug und Erziehungsobjekt wurden erst ab dem 16./17. Jahrhundert in Europa populär.

Frühe Vorläufer der Puppenstuben waren kleine Möbel und anderes Zubehör für das Spielen mit Puppen.

Raubgrabungen

Es geht um Raubgrabungen, Schwarzmärkte und Schmuggel.

Das Geschäft mit geraubten Kulturgütern boomt seit Jahrzehnten. Im Schatten der politischen Erschütterungen im Nahen Osten und in Nordafrika kam es zu beispiellosen Plünderungen antiker Stätten.

Somit muss auch beim Thema „Puppen aus der Antike“ auf die Schattenseiten der glänzenden Museumswelt hingewiesen werden.

Leider kaufen auch namhafte Museen – J. Paul-Getty-Museum in Malibu – Kulturgüter aus der Antike aus zweifelhaften Quellen an. Darunter auch Puppen aus der Antike, die teilweise aus Raubgrabungen stammen.

Es stellt sich die Frage, wie weit Museen gehen dürfen, um ihre Sammlungen zu bereichern und ob sich Länder wie z. Bsp. Italien und Griechenland gegen die Plünderungen ihres künstlerischen Erbes wehren können.

Literaturverzeichnis

Archäologie im Fokus – Von wissenschaftlichen Ausgrabungen und illegalen Raubgrabungen Hrsg.: Deutsches Nationalkomitee f. Denkmalschutz, Band 53 (überarbeiteter Nachdruck) Bonn 2012

Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier Nr. 18

Römisches Spielzeug, Trier 2000

Fittà, Marco: Spiele und Spielzeug in der Antike, Stuttgart 1998

Wessel, Günther: Das schmutzige Geschäft mit der Antike, Berlin 2016

Zeitschrift „Antike Welt“ Nr. 2/2024