In Teil XXV fanden Kommissar Ritter und der Opernkritiker I. Burn eine weibliche Frauenleiche am Willy-Brandt-Platz, dort wo die Ära der alten Doppelanlage Oper-Schauspiel Frankfurt demnächst endet. Burn befürchtet, die in der Tiefe entdeckte Frauenleiche könnte die Opernsängerin Maria Bellini sein. Die Diva lag, genau wie damals die „Carmen“, als wäre sie mitten aus einer Inszenierung gefallen. Sie trug ein Männerkostüm, das des Radames aus „Aida“.

Eingefügte Szene I. N.: Eine interessante Deutung der Frankfurter “Aida“ von Lydia Steier fällt Burn spontan dazu ein.(unser Beitrag „Aida in der Puppenhölle„). Ritter denkt noch einmal zurück: „Die Wunde am Hals dieser verkleideten „Aida“ stammt eindeutig von einem Schwert.“

Das erinnert ihn an die Inszenierung in der Paulskirche, wo es Hinweise auf einen Streit zwischen Tenor Strahlemann und Primadonna Bellini gab, bei dem der unbeliebte Möchtegern Strahlemann verletzt worden war (Teil VI) und sie ein Tatwerkzeug fanden, das eindeutig nicht zur Aufführung gehörte. Weiter führten Spuren

zum Zoo und einem potentiellen Pharmaskandal und nun auch zur Entscheidung über

eine neue „Kulturmeile“ in Frankfurt verbunden mit einem Immobilienskandal. Oder ist es letztlich doch ein persönlicher Mord aus Eifersucht oder Rache?“
Eingefügte neue Szene: Kommissar Ritter sucht den Opernkritiker I. Burn. Er ist auf dem Weg ins Städelmuseum, um das Bild zu sehen, von dem er weiß, dass Burn es jeden Dienstag besucht, –

„Goethe in der römischen Campagna“ von Tischbein. Das Gemälde zeigt den Dichter Goethe in einer italienischen Landschaft. Er steht zwischen antiken Ruinen und einer grünen Wiese, als wäre er ein Bindeglied zwischen der alten und der modernen Welt. Ritter hat nachgelesen: Goethe war 1786 nach Italien gereist, aber er wollte nicht erkannt werden, weil er schon berühmt war. Tischbein malte ihn und nahm ihn mit zu den alten Grabstätten.
Ritter weiß, warum I. Burn von dem Bild so fasziniert ist, es geht ihm um die Täuschung: Wenn man genau hinschaut, fällt etwas Seltsames auf: Goethes linkes Bein sieht aus, als wäre es das rechte – das Bild wirkt, als hätte er zwei linke Füße. „Burn, Du Schlaukopf, willst mir mit dem Bild zeigen, dass der Mensch unvollkommen ist, egal für wie großartig er sich hält!“ er grinst vor sich hin und murmelt: „Wenn Du wirklich wüsstest, was Täuschung bedeutet …“. Ritter bleibt stehen, sonnt sich in seiner eigenen Selbsterkenntnis, lässt das Bild auf sich wirken und lässt die Blicke weiter schweifen, in der Suche nach Burn – aber der Opernkritiker ist nirgends zu entdecken.
Eingefügte Szene K. B.: Das Wortgefecht mit Paula Pechstein
Statt Burn entdeckt er die Klatschreporterin Paula Pechstein. Wie gewöhnlich hält sie ein Notizbuch in der Hand. Ihr Blick wirkt fest, als sie KK Ritter direkt in die Augen schaut: „Ich bin hier wegen der Sonderausstellung über Carl Schuch und will mir Inspirationen aus seiner Küche holen.

Wie Du weißt, bin ich ein großer Fan der feinen Kulinarik … , so ein bisschen Ausschweifung und Exzess, genau wie dieser Schuch, das ist mein Ding. Du erinnerst Dich an die Sause im Kommunikationsmuseum, mit Hexenkostüm und tralala, Nur diese plötzliche Leiche, war zwar sensationell … ist das eigentlich aufgeklärt?“? “
Und sie fährt fort, ohne weiter auf den verwirrt blickenden Kommissar zu achten: „Ich duze Dich jetzt einfach mal Kommissar und lese Dir meine Notizen zu Schuch, vor, dessen Biografie klingt, als sei sie für einen Filmstoff wie geschaffen. Denke bitte an Wien im Walzertraum und an einen Gastronom, der Geld scheffeln möchte. Das ist Schuchs Vater. Aber das Leben ist kein Ponyhof und so lernt Schuchs Familie sozusagen „die dunkle Seite des Mondes kennen“. Schuchs Mama und Papa sterben, der arme Carl wird zwischen Tante und älterer Schwester rumgereicht. Auch sie werden Opfer der Tuberkulose und so schweift Schuch in die Ferne. Ähnlich dem guten Goethe treibt es ihn gen Süden, Sizilien, Neapel, Rom, weiter nach München, Paris, Brüssel, Venedig, überall wo die große ‚action‘ ist. Er mag wüste Ausschweifung, kennt sich mit Krankheiten aus, ist happy, mit seiner Malerei, siecht in der Obhut der lebenslustigen Gattin letztlich … dahin, die tröstet sich schnell, indem sie einen Spitalangestellten ehelicht, der über Schuchs Wohlergehen zu wachen hatte. So zumindest will es die Legende. ….“

„Übrigens Kommissar, Du hast ja wohl nichts Besseres zu tun, als mich zu belästigen? Denke lieber einmal darüber nach, an wen uns diese ganze Herumtreiberei, einschließlich Ausschweifungen erinnert … richtig, an „Peer Gynt – zwischen Wunsch und Wirklichkeit„. Das kannst Du nachlesen und mit Dir selbst in Beziehung setzen. Das Werk des norwegischen Dichters Henrik Ibsen, dieses, auch als der „norwegische Faust“ berühmte Stück, über einen armen Bauernsohn, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, das erinnert mich an eine bestimmte Person.“ Sie grinst und hört in ihrr Vorstellung die Melodie aus der berühmten Szene „In the hall of the mountain king“ und summt leise mit.

Ritter runzelt die Stirne. Ist sich nicht sicher, was und wen sie mit dieser Anspielung meint. Sie gehen ein Stück gemeinsam weiter und machen vor „Liegender Hund im Schnee“ von Franz Marc halt. Ritter erwidert leicht genervt: „Ich bin hier, weil du mich hierhergelockt hast, mit der Erzählung, I. Burn wäre ständig hier. Und jetzt stehe ich vor einem Hund, der aussieht, als hätte ein Kubist ihn zerlegt.“
„Mann, Ritter, von Kunst hast Du wohl genauso wenig Ahnung wie von der Mordaufklärung“, Paula schnappt nach Luft … „Der Hund ist bewusst stilisiert. Marc hat die kantigen Formen der Kubisten übernommen – das ist Kunst, nicht ein Verbrechen.“
„Kunst, ja, liebe Paula. Aber du nutzt sie, um mich abzulenken. Du willst Misstrauen schüren, falsche Hinweise säen, immer neue Leute verdächtigen, während Burn einfach verschwunden ist,“ seufzt Ritter.
Paula lässt das nicht auf sich beruhen und fährt Ritter an, so laut, dass der Museumswärter beschwichtigend den Zeigefinger an seine Lippen hält: „Vielleicht ist das Dein Problem, Ritter: Du suchst immer nach Schuldigen, anstatt die Fakten zu sehen. Schuchs Werk war lange Zeit unbekannt, erst nach seinem Tod wurde es geschätzt. Manchmal muss man erst das Offensichtliche übersehen, um das Wesentliche zu finden.“
Jetzt wird auch Ritter unwillig: „Also soll ich jetzt annehmen, dass Du und Dein ‚Geheimtipp‘‑Kunst‑Kram‘ die ganze Geschichte erklären können? Du bist hier, um zu schreiben, nicht um zu ermitteln. …“
Paula fährt dazwischen: „Genau. Und wenn Du das nicht akzeptieren kannst, dann bleib doch einfach bei Deinem Bild von Goethe und seiner zweifachen linken Füße. Vielleicht findest du dort die Antwort, die Du suchst.“
Der Dialog endete in einer knappen Stille, während im Hintergrund Besucher weiter das seltsame Goethe‑Bild betrachteten, das immer noch das Rätsel seiner zwei linken Füße bewahrt.
Liebe Mitdenkenden und Mitschreibenden! Wen oder Was könnte Paula Pechstein mit dieser merkwürdigen Anspielungen über „Ausschweifungen“ und „Personen, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen“ gemeint haben? Welches „Offensichtliche“ hat sie im Sinn, das Ritter übersehen hat? Will sie den Verdacht wiederum neben Burn noch auf eine andere Person lenken? Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie bitte unter uniwehrsel.de
