Du betrachtest gerade Kommentar zu: „Avatar: Fire and Ash“, Krieg als ‚Alternativlosigkeit‘ oder Verteidigung um jeden Preis?

Kino birgt die Möglichkeit für Utopien und Abstraktionen, dessen scheint sich James Cameron bewusst zu sein. 2009 lud er uns ein, mit „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ in einem unvergesslichen Film mit 3D-Bildern einen Planeten mit unvergleichbarer Flora und Fauna zu bestaunen. Der Nachfolger des erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten „Avatar: The Way of Water“ setzte da ein, wo der erste Teil aufhörte, sowohl technisch als auch inhaltlich. 2025 startete der bisher letzte Teil der Trilogie unter dem Tital „Avatar: Fire and Ash“ mit der Fragestellung, „wie man den Zyklus der nicht endenden Gewalt durchbrechen kann, ohne sein Zuhause kampflos den Kapital-getriebenen und kolonialisierenden Mächten zu überlassen.“ (KINO-Zeit) Ein UniWehrsEL Leser hat den Film für uns besprochen und kritisiert.     

Über diesen Film ist viel gesprochen worden. Pandora ist beeindruckend, im ersten Teil sogar mehr als das, im zweiten wiederholt sich so einiges. Und wie es leider so ist, auch die größte Faszination lässt mit der Zeit nach. Vor allem braucht es viel Sitzfleisch bei 197 Minuten mit 3-D-Brille auf der Nase, dröhnender Lautstärke und geballter Action.

Was aber im IMAX in liegender Position auf Ledersesseln durchaus zum Erlebnis werden kann, vor allem, wenn man mit soviel Popkorn um sich schmeißen kann, wie man will. Bei James Cameron weiß man, was einen erwartet, es geht weniger um Inhalte, als um HFR-Technologie erleben. Das steht für High Frame Rate und bedeutet hohe Bildrate, digitale Filmtechnik mit riesiger Bildwiederholfrequenz. James Cameron weiß eben, wie ein perfektes Kinoerlebnis – technisch gesehen – entsteht:  „von stereoskopischem 3D über Spezial-Rigs mit Beam-Splitter bis hin zur kreativen Philosophie hinter dem immersiven Look von Pandora. Statt billiger 3D-Effekte geht es Cameron um ein natürlich wirkendes, räumliches Bild, das sich wie eine unsichtbare Erweiterung der Filmmusik anfühlt: mal laut und spektakulär, mal leise und subtil – aber immer komplett eintauchend.“(Drohnen.de)

Die Geschichte dahinter ist schnell erzählt. „Um Pandora zu erforschen, steuern menschliche Wissenschaftler Na’vi-Mensch-Hybridkörper,

sogenannte Avatare. Jeder Avatar ist genetisch mit einem menschlichen Operator verbunden. Jake Sully, ein querschnittsgelähmter Veteran des US-Marinekorps, wird nach dem Tod seines eineiigen Zwillingsbruders, der sich in der Ausbildung zum Operator befand, als Operator rekrutiert.“ (Avatar Wiki – Fandom). Jake Sully findet auf dem fiktiven Mond Pandora, eine neue Heimat, eine neue Familie und die Liebe seines Lebens. Das gilt es nun alles zu erhalten und zu verteidigen.

Und wie kommt diese Geschichte nun, abgesehen von der spektakulären Technik, beim Zuschauer inhaltlich an?

Liebe Lesenden des UniWehrsEL,

Eigentlich wollte ich nicht über diesen Film schreiben, weil in diesem Film so viel Kriegsverherrlichung und Antipazifismus steckt. Der Film zeigt keine demokratische Gesellschaft, sondern eine, die von einem Anführer bestimmt wird, in dem es keinen Ausweg aus dem Kriegsszenario zu geben scheint. Wo sich jeder gegen jeden mit der Waffe in der Hand verteidigen und kämpfen muss.

„Avatar 3“ führt die Geschichte um die Familie Sully fort, wobei Sully der Patriarch ist, der über die Familie entscheidet. Die Frage stellt sich, ob der Film nur vordergründig ein Film über den Kampf gegen Gut und Böse ist. Die Technik des Films ist überwältigend und soll den Zuschauer verführen. Es ist eine Verliebtheit. Aber reicht eine überragende Technik dazu aus, den Zuschauer gut zu unterhalten? Schon beim ersten Teil versucht der Film „Avatar“, den Zuschauer mit seiner perfekten Ausstattung und neuen Technik zu beeindrucken. Bei „Avatar“ geht es nicht darum, eine spannende Geschichte zu erzählen, sondern zu zeigen, was die Computertechnik inzwischen alles so drauf hat. Der Zuschauer soll sich nicht an seine eigene Wohlfühlwelt erinnern, sondern in ein gänzlich neues Setting geworfen werden. Dabei wirkt alles sehr künstlich. Die verwendete Sprache ist theatralisch. Da steckt das Wort Theater drin, aber nicht das Unterhaltsame, sondern eine Belehrung, wie in der Kirche. Die Guten und die Bösen.

Der Inhalt von „Avatar 3“ lässt sich auf einen Satz zusammenfassen: Generalmobilmachung. Am Ende des Films wird jede Person zur Waffe greifen. Pazifismus, Verhandlungen, Diplomatie finden in diesem Filmszenario nicht statt. Zu Beginn fischt Sully Waffen aus dem Meer. Er beschützt seine Familie. Es wird diskutiert, ob man die Waffen der Menschen auch einsetzen darf. In der Tradition unseres Stammes wollen wir doch mit Pfeil und Bogen schießen. Sully sagt als Gegenargument, dass man Hubschrauber nicht mit Speeren angreifen kann. „Ich bin ein Marinesoldat und komme zu einer Schießerei nicht mit einem Messer!“

An der Familie Sully wird gezeigt, dass es keine Demokratie ist, sondern er für die Gruppe entscheidet. Als Patriarch ist er der Chef. Wenn er in seiner Familie Loyalität einfordert, dann verhält sich Sully wie ein Staat, der das Kriegsrecht ausruft. Mit der Ausrufung des Kriegsrechts setzt er die individuellen Freiheitsrechte der Bürger, in diesem Fall der Clanmitglieder, außer Kraft. Im Ernstfall kann der Staat auch den Bürger zwangsrekrutieren. Genau diese Möglichkeit hat auch Sully als Clanoberhaupt.

In „Avatar“ sieht der Zuschauer auf der Großleinwand den Kriegsfall wie alles in Feuer aufgeht und es Asche vom Himmel regnet. Die Angriffe kommen von den Menschen, die die Na’vi kolonialisieren wollen. Die Na’vi führen also einen antikolonialistischen Krieg. Unterstützung finden die Menschen beim Ashvolk mit ihrer bösen Anführerin Varang. Das Ashvolk sind Feinde und besonders grausam. Es geht also darum, sich zu verteidigen und seine Gruppe verteidigungsbereit zu machen. Das bedeutet in diesem Film, dass selbst die Kinder zur Waffe greifen müssen. Spider kommt in dem Film eine Schlüsselrolle zu. Er ist ein Mensch, der nur mit einer Maske auf Pandora atmen kann. Er verwandelt sich auch in einen Na’vi.

Niemand möchte mehr der böse Angreifer sein. Deshalb stellt man seine eigene Gruppe als die Verteidiger des Staates dar. Der Zuschauer soll sich mit den Guten, also den Na’vi, identifizieren. Sie tun keiner Fliege etwas zu Leide. Für die Na’vi gilt der Sinnspruch: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Mit dieser Logik ist klar, auf wessen Seite der Zuschauer zu stehen hat. Es werden keine Verhandlungen gezeigt. Der Krieg scheint in diesem Film unausweichlich und alternativlos. Der Feind wird in der Story klar benannt. Er ist böse, fies und muss daher besiegt werden, um die eigene Lebensweise zu retten. In der Logik des Films sehen die Bösen auch noch böse aus. Sie tun böse Dinge und schrecken vor keiner Untat zurück. Das Ashvolk sieht böse aus, also handelt es auch so. Der Zuschauer ist im Bunde mit den immer integeren Na’vi. Das Publikum soll sich mit den Guten identifizieren. Die Story funktioniert über die Familie. Die Sullys halten zusammen. An einer Stelle heißt es: „Viele Pfeile kann man nicht brechen.“ Ein Bild, das den Familienzusammenhalt beschreiben und betonen soll. Von der einzelnen Familie geht diese Formel dann auf das ganze Volk über.

Es gibt heroische Momente wie: „Deine Mutter ist als Heldin gestorben. Auch das steckt in dir, Sohn.“ Es ist eine einfache Erzählung, man muss seine Familie verteidigen. Jedoch wird dabei leicht vergessen, dass der Soldat die Interessen des Staates verteidigt. In der Regel sind die Soldaten meist Männer oder Frauen, die im Krieg gerade nicht bei ihrer Familie sein können, sondern irgendwo an der Front, wo sie hinbeordert worden sind. Wenn sie sich zurück zu ihrer Familie absetzen würden, würden sie als Deserteure bestraft.

Wer greift eigentlich wen in diesem Film an? Die Menschen haben klare militärische Befehlsketten. Beim Ashvolk entscheidet nur die Anführerin ganz allein. Bei den Na’vi gibt Sully den Ton und die Richtung vor. Der Film zeigt nur den Weg in den Krieg. Es findet kein Sinneswandel oder Lernprozess der verfeindeten Gruppen untereinander statt. Wäre es nicht viel einfacher, wenn nur die drei Herrscher gegeneinander kämpften? Klar, dann bräuchte es keinen so aufwendigen Film mit Technik.

Fazit

„Avatar 3“ präsentiert sich als eindimensionales Abenteuer, in dem die Erzählung der Familie Sully zum Vorwand für einen eindringlichen militärischen Konflikt dient. Es wird nur der Weg in den Krieg aufgezeigt, ohne dass Hoffnung auf Frieden oder Zusammenhalt zwischen den Völkern besteht. Die Überbetonung der visuellen Effekte und die einfache Trennung von Gut und Böse begrenzen die Bandbreite der Handlung erheblich. Es bleibt abzuwarten, ob der Film die Möglichkeit eines tiefergehenden Dialogs zwischen den Kulturen anspricht – bisher bleibt dies eher eine unerfüllte Erwartung.

Bilder Copyright EW

  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrag zuletzt geändert am:1. Februar 2026
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