Du betrachtest gerade „Les Voyageurs“: die schwebende Bronzen Catalanos als Metaphern für Reisende, Migration, Bruch und Einsamkeit

Gerade habe ich Urlaubsfotos bekommen. Da findet sich unter anderem die Skulptur „Hubert“, als Teil der berühmten Bronzestatuen-Reihe „Les Voyageurs“ (Die Reisenden) des französisch-marokkanischen Bildhauers Bruno Catalano (*1960). Ihr Aussehen verwundert. Man sieht eine lebens- bzw. monumentalgroße Bronzefigur, die einen Reisenden mit einer großen Tasche oder einem Koffer darstellt. Aber sie weist eine Besonderheit auf. Die Körpermitte der Figur fehlt vollständig; die obere und untere Hälfte scheinen schwebend durch die Statik und den Schwerpunkt des Koffers verbunden zu sein. Die Skulpturen symbolisieren Entwurzelung, Migration, Sehnsucht nach Zugehörigkeit und die Last von Erinnerungen. 

Meine Recherchen ergeben: „Hubert“ findet man an verschiedenen Standorten in Italien. Eine bekannte Version von „Hubert“ steht direkt am Pier in Genua und blickt auf das Meer. In Caorle ist sie im Rahmen der Ausstellung „Les Voyageurs“ am Lungomare Petronia zu sehen (u. a. 2026 zusammen mit der Figur „Khadine“). Es existieren weitere Varianten. wie Hubert III, die unter anderem in Valence (Frankreich) auf der „Place de la Liberté“ oder im Rahmen von internationalen Ausstellungen (z. B. New York) gezeigt wurden. Mehr über das Werk des Künstlers erfahren Sie direkt über die Galleria Ravagnan oder die Ausstellungsseite Caorle Touristenportal. 

„Khadine“ ist eine weitere ikonische Monumentalskulptur Galeries Bartoux aus der Reihe „Les Voyageurs“ (Die Reisenden) von Bruno Catalano (Caorle Tourist Portal). Sie verkörpert wie „Hubert“ das zentrale Motiv des Künstlers: den unvollständigen Reisenden mit einer schweren Tasche und einer leeren Körpermitte. Auch „Khadine“ weist Besonderheiten auf. Die Skulptur zeigt eine stolze, aufrecht schreitende Person, die eine große Reisetasche in der Hand hält. Auch bei ihr fehlt die komplette Rumpfpartie. Durch diese Lücke hindurch verschmilzt das Kunstwerk optisch mit der Natur, der Stadtarchitektur oder dem Meer im Hintergrund (MeinBezirk und Facebook). Die Figur steht sinnbildlich für die emotionale Leere und den Verlust von Heimat bei einer Migration, zeigt aber gleichzeitig die Stärke und Entschlossenheit, weiterzugehen (SecretLDN).

Im Jahr 2023 sorgte „Khadine“ für internationales Aufsehen, als sie monatelang direkt an den Riverside Walk Gardens in Millbank Galeries Bartoux aufgestellt war – mit Blick auf die Themse und unweit der berühmten Tate Britain Galerie. Im Jahr 2024 wanderte sie im Rahmen der Ausstellung „Die Metapher der Reise“ weiter nach Genua Ravagnan Gallery und wurde dort an prominenten öffentlichen Plätzen präsentiert. Nun kann sie in Caorle (Italien) bewundert werden. In der Open-Air-Ausstellung am Lungomare Petronia bildet sie eine visuelle Einheit mit „Hubert“. Beide Figuren stehen dort direkt am Meer und laden Passanten ein, durch ihre Körperöffnungen auf den Horizont zu blicken.

Foto E. W.

Die Figur mit der Reisetasche weckt Erinnerungen an die bestickte Tasche in der Sonderausstellung der DNB (unser Beitrag). In der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) findet man die Ausstellung Deutsches Exilarchiv 1933–1945. In der dortigen Dauerausstellung sowie in Sonderausstellungen rund um das Thema Flucht und Exil spielen Fluchtgepäckstücke – wie Koffer, Kisten oder eben die berühmte Handtasche von Irma Lange – eine zentrale Rolle Leben im Exil.  

Die Parallelen zwischen Bruno Catalanos Skulpturen wie „Hubert“ oder „Khadine“ und solchen historischen Exponaten sind verblüffend. Das Gepäckstück wird zum  Lebensmittelpunkt. Bei Catalanos Voyageurs ist die Tasche oft das einzige massive, unbeschädigte Element, das die schwebenden Körperhälften statisch zusammenhält. In den Biografien des Exilarchivs ist das Fluchtgepäck oft das Einzige, was den Menschen von ihrer gesamten Existenz, ihrer Heimat und ihrer Identität geblieben ist Leben im Exil.

Symbolisiert wird Zerrissenheit und Leere. Catalano lässt die Mitte seiner Figuren weg, um den Verlust und das „Fragmentiert-Sein“ eines Migranten oder Geflüchteten darzustellen. Die historischen Objekte in der DNB erzählen genau dieselbe Geschichte: Sie zeugen von einer wounded, zerrissenen Biografie, vom abrupten Bruch im Leben und der emotionalen Leere, die das Verlassen der Heimat hinterlässt. (Dauerausstellung des Deutschen Exilarchivs).

                                   

Foto K. W.

 Es ist faszinierend zu sehen, wie ein zeitgenössischer Bildhauer auf metaphorische Weise genau das visualisiert, was die realen, historischen Exponate in der Nationalbibliothek greifbar machen.                                             

Unser Beitrag auf UniWehrsEL beschreibt genau diesen emotionalen und berührenden Moment [Führung durch die Deutsche Nationalbibliothek]. Es handelt sich bei diesem markanten Exponat im Exilarchiv um die handgefertigte und bestickte Tasche von Irma Lange. Die Parallelen zu Bruno Catalanos Skulpturen werden durch die historischen Hintergründe dieses Stücks umso greifbarer.

Foto E. W.

Es geht um die Entstehungsgeschichte im Internierungslager. Irma Lange fertigte und bestickte diese Tasche unter extrem widrigen Bedingungen in einem Lager für ihren Sohn Hanns an. Sie diente ganz praktisch dazu, die wenigen verbliebenen Habseligkeiten und Identitätsstücke zu schützen. Es zeigt sich als Symbol des Überlebenswillens. Genau wie bei Catalanos Kunstwerken, wo die Tasche das statische und emotionale Bindeglied der zerrissenen Figuren darstellt, steht Irma Langes Tasche im Exilarchiv als zentrales Zeugnis für die fundamentale Erfahrung von Verlust, aber eben auch für puren Überlebenswillen.

Es ist faszinierend, wie präzise diese Verbindung zwischen der modernen Kunst der Voyageurs und diesem ganz konkreten, historischen Exponat aus dem studentischen Projektbericht auf [UniWehrsEL] zutrifft. Beide erzählen auf ihre Weise dieselbe bewegende Geschichte von Migration, Bruch und dem, was ein Mensch mit sich trägt.

Mehr von Catalanos Kunstwerken

Die weltberühmte Serie „Les Voyageurs“ umfasst zahlreiche weitere Figuren. Jede von ihnen trägt einen eigenen Namen und verkörpert eine ganz spezifische Facette des Reisens, der Sehnsucht oder der harten Arbeit. Interessanterweise entstand Catalanos unverkennbarer Stil durch einen Zufall. Bei einem Gussunglück im Jahr 2004 entstand ein Riss im Brustbereich einer Figur. Anstatt das Werk zu verwerfen, entschied sich Catalano, diese Leere und Fragmentierung zu seinem zentralen künstlerischen Thema auszubauen.

Eine berühmte Figur aus der „Voyageurs“-Reihe ist Le Navigateur (Der Seefahrer): Eine direkte Anspielung auf Catalanos eigene Vergangenheit [Galeries Bartoux, Galerie De Medicis]. Bevor er sich ganz der Kunst widmete, arbeitete er in seinen Zwanzigern als Seemann auf Handelsschiffen [Galeries Bartoux, Galerie De Medicis]. Die Figur fängt die typische, sehnsuchtsvolle Haltung eines Seefahrers ein, der zwischen dem Aufbruch in die Ferne und der Sehnsucht nach dem Heimathafen schwankt [Galeries Bartoux]. Die Skulpturen reisen wie ihre realen Vorbilder um die ganze Welt [Galeries Bartoux, Galerie De Medicis]. Große Ausstellungsreihen im öffentlichen Raum wurden unter anderem auf der Park Avenue in New York, in den Straßen von Honfleur (Normandie), während der Biennale in Venedig sowie dauerhaft im Hafen von Marseille organisiert.

Einen umfassenden Überblick über die aktuellen Standorte, Ausstellungen und verfügbaren Editionen bieten die offiziellen Vertretungen des Künstlers auf den Seiten der [Galeries Bartoux] sowie der Pariser [Galerie De Medicis]. Einblicke in Bruno Catalanos Schaffen bieten Angaben der Galleria Ravagnan sowie der Galeries Bartoux.

Zu lesen ist unter anderem die biographische Verankerung der „Reisenden“: Die Zerrissenheit der Figuren entspringt einer tiefen persönlichen Erfahrung Catalanos, der 1960 in Marokko geboren wurde und im Alter von zehn Jahren mit seiner Familie nach Marseille übersiedelte. Das Motiv des Aufbruchs begleitete ihn auch in seinen Zwanzigern, in denen er als Seemann auf Handelsschiffen arbeitete Galeries Bartoux. Erst in den 1990er-Jahren verschrieb er sich ganz der Bildhauerei.

Konzeptuelle Werkzyklen und Variationen

Catalano betont in Werkgesprächen gezielt, dass seine Figuren keine historischen Persönlichkeiten darstellen (Lost & Found Italy Magazine). Die Titel beschränken sich ganz bewusst auf reine Vornamen (Khadine, Hubert, Benoît). Durch das Weglassen jeglicher kultureller, nationaler oder familiärer Attribute verwandelt sich die individuelle Person in ein universelles Symbol der gesamten Menschheit.

Obwohl Bronze sein Stamm-Medium bleibt, bricht Catalano in seinen aktuellen Werkphasen in die klassische Kunsttradition auf (Galeries Bartoux). In Kooperation mit dem italienischen Bildhauer und Handwerker Giorgio Angeli setzt er ausgewählte Voyageurs-Motive in weißem Carrara-Marmor um. Hierbei entsteht ein spannungsgeladener Kontrast zwischen der historischen Schwere des Steins und der vermeintlichen Leichtigkeit der fragmentierten Körperhälften.

Mit der Ernennung Marseilles zur europäischen Kulturhauptstadt erlebte die Serie ihren großen institutionellen Durchbruch. J4 – benannt nach dem ikonischen Pier im Hafen von Marseille – markierte dabei den Übergang zu seinen heutigen Monumentalarbeiten, die über drei Meter Höhe erreichen und den umgebenden Raum direkt in das Kunstwerk einbeziehen (Galeries Bartoux).

Das Lebensgefühl des ewigen „Passagiers“

Image by JensG from Pixabay

Es erinnert mich an einen Song von Iggy Pop. Der Sänger Iggy Pop besingt in The Passenger (Official Video) das Dasein als ewiger Beifahrer, der unter einer Glasbühne durch die nächtliche Stadt gleitet. Er gehört nirgends dazu, er zieht nur vorbei. Er sieht die Stadt durch ein Fenster – es ist ein Zustand des permanenten Transits (The Circle). Genau dieses Lebensgefühl teilt die Generation im Exil. Sie sind unfreiwillige „Passagiere“ der Geschichte geworden. Sie sind aus ihrer Heimat herausgerissen und reisen durch eine Welt, die ihnen fremd bleibt, während sie im Inneren eine existenzielle Leere spüren.

Der Song entstand nicht im luftleeren Raum, sondern als Iggy Pop selbst in einer Art selbstgewähltem Exil lebte. Um seiner schweren Drogensucht in den USA zu entkommen, zog er Ende der 1970er Jahre gemeinsam mit David Bowie nach Berlin-Schöneberg. Die zerrissene, von Mauern geteilte Stadt Berlin wurde zur Kulisse für seine eigene innere Zerrissenheit. Er fuhr damals stundenlang mit der Berliner S-Bahn durch die deprimierende, nächtliche Landschaft. Dieses monotone Unterwegssein goss er in den Rhythmus von „The Passenger“.

„He is a passenger… and he rides, and he rides“

Bei Catalano ist es der physische Schritt nach vorn, bei Irma Langes Tasche in der DNB ist es der materielle Überrest einer Flucht, und bei Iggy Pop ist es dieser unaufhaltsame, treibende Beat. Alle drei Medien fangen das unendliche Unterwegssein ein. Der Passagier hat kein echtes Ziel mehr, die Reise selbst wird zu seinem Zustand.

Das macht Iggy Pop zu einer genialen Assoziation: Er blickt nicht mitleidig von außen auf das Thema, sondern fängt das raue, ungeschönte und oft einsame Gefühl des „Nicht-Mehr-Dazugehörens“ musikalisch perfekt ein.

Impression der Frankfurter Nacht K. W.

Dieses ‚nur nachts von oben beobachten‘ erinnert an Edward Hopper. In New York guckt Edward Hopper, von der Hochbahn aus in Wohnungen, Büros und Kneipen (unser Beitrag Teil II – Die Magie der Nacht in der Kunst). Seine Bilder zeigen den Status des Voyeurs, unbeobachtet traut er sich, das private Nachtleben darzulegen. Das emotionale Mitschwingen zeigt er in den „Nighthawks“, gleichzeitig Wartestand, die Furcht vor der Nacht. „Nighthawks“ (1942) erzählt von Zivilisationsräumen in der Stadt (vgl. „Edward Hopper 1882-1967 – Tranformation des Realen“ Rolf Günter Renner).

Wenn Iggy Pop singt, dass er „under the city’s ripped-back sky“ (unter dem aufgerissenen Himmel der Stadt) im Auto sitzt und durch die Scheibe das nächtliche Leben beobachtet, beschreibt er exakt die visuelle Komposition und die psychologische Atmosphäre eines Gemäldes von Edward Hopper.

Die Verbindung zwischen dieser Hopper-Ästhetik, Iggy Pops Song und den Schicksalen im Exilarchiv der DNB lässt sich in drei kraftvollen Motiven zusammenfassen:

Isolation hinter Glas bei „Nighthawks“ (die Nachtschwärmer im hell erleuchteten Diner) oder „Automat“ (die einsame Frau am Kaffeetisch). Die Figuren befinden sich mitten in einer Millionenstadt, oft hinter großen Glasscheiben, und sind dennoch völlig isoliert. Sie blicken ins Leere oder nach draußen. Es ist exakt die Wirkung von Iggy Pops Passagier, der nachts isoliert im Auto durch die Straßen gleitet. Und es spiegelt das seelische Befinden im Exil wider: Man ist zwar physisch an einem neuen Ort (einer neuen Stadt), bleibt aber ein einsamer Beobachter hinter einer unsichtbaren Wand, abgeschnitten von der Gemeinschaft.

Hopper hat oft Szenerien gemalt, in denen man wie ein anonymer Passant von draußen durch ein hell erleuchtetes Fenster in ein fremdes Zimmer blickt; ‚ein- Blick‘, der aus der Dunkelheit kommt und die Intimität oder die Einsamkeit anderer beobachtet. Iggy Pop besingt genau das: „He sees the stars come out tonight / He sees the city’s ripped-back sky / And everything looks so good tonight“. Er schaut von außen auf das Leben der Stadt, ohne ein Teil davon zu sein. Es ist ein melancholischer, fast schmerzhafter Genuss der Schönheit der Welt aus der Perspektive eines Ausgeschlossenen.

Hopper hat keine gemütlichen Wohnzimmer gemalt, sondern Räume des Übergangs: Hotelzimmer, Tankstellen bei Nacht, Bahngleise, anonyme Büros. Seine Räume wirken oft seltsam „ausgehöhlt“ – eine direkte visuelle Verwandtschaft zur weggeschnittenen Körpermitte von Bruno Catalanos Figuren. Im Exilarchiv der DNB verdichten sich genau diese Lebensberichte: Das Leben im Hotel, das Warten in Transiträumen, das Gefühl, die Welt nur noch als flüchtige, nächtliche Kulisse wahrzunehmen. Iggy Pop liefert mit „The Passenger“ praktisch den punk-rockigen Soundtrack zu einem Edward-Hopper-Gemälde. Beide Künstler fangen die ästhetische Schönheit der Einsamkeit ein, die entsteht, wenn man seine feste Verankerung in der Welt verloren hat.

Das Motiv des Doppelgängers

Wenn wir nun das Motiv des Doppelgängers hinzuzuziehen, schließt sich der Kreis zu Iggy Pop, den Skulpturen Catalanos und dem Exilarchiv der DNB auf unheimliche und tiefpsychologische Weise. Dieses Doppelgänger-Motiv bricht sich bei Hopper durch zwei faszinierende Phänomene: wie das gespiegelte Selbst im nächtlichen Fenster:

Wenn man nachts in einem beleuchteten Zug oder einer Bahn sitzt, passiert physikalisch etwas Unheimliches: Die Fensterscheibe verliert ihre Transparenz nach draußen und wird stattdessen zu einem Spiegel des Innenraums. Wenn Hopper (oder sein „Passenger“) nachts aus dem Fenster blickt, sieht er nicht nur die anonyme Stadt, sondern blickt unweigerlich auf sein eigenes, geisterhaftes Spiegelbild, das über die Fassaden der Häuser gleitet. Dieses Spiegelbild im Fenster wird zum Doppelgänger. Es ist der Passagier, der physisch im Waggon sitzt, während sein optischer Zwilling draußen durch die kalte, dunkle Nacht zieht. Es visualisiert perfekt die Spaltung des Menschen im Exil: Ein Teil existiert real im Hier und Jetzt, der andere wandert als Phantombild schwebend durch eine unerreichbare Welt – exakt wie die geteilten Körper von Catalanos Figuren.

Hopper inszeniert den Doppelgänger und kloniert Einsamkeit. Für seine berühmten Paardarstellungen (Nighthawks oder Office at Night) stand Hopper paradoxerweise selbst Modell für die verschiedenen männlichen Figuren. Seine Ehefrau Jo modellierte für die Frauen, Hopper spiegelte sich selbst in den Männern. Wenn man in Nighthawks den Mann sieht, der dem Betrachter den Rücken zukehrt, und den Mann, der neben der rothaarigen Frau sitzt, blickt man kunsthistorisch auf zwei Versionen von Edward Hopper selbst. Er klonierte seine eigene Einsamkeit auf der Leinwand. Er begegnet sich selbst als Fremdem im Raum. 

Hier schließt sich das psychologische Trauma des Exils an, das im [Deutschen Exilarchiv der DNB] verwahrt wird: Die Flucht zwingt den Menschen, zu seinem eigenen Doppelgänger zu werden. Es gibt das „Ich vor der Flucht“ – festgehalten in den Dokumenten, Fotos und handgestickten Taschen, die wie Relikte einer fernen Existenz im Archiv liegen. Und es gibt das „Ich im Exil“, das nun wie eine leere Hülle, wie ein anonymer Passenger, in einer neuen S-Bahn sitzt und fassungslos auf das eigene, fragmentierte Leben blickt.

  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrag zuletzt geändert am:12. Oktober 2026
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