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Immer wieder freue ich mich darüber, am Leben meiner Leser ein Stück weit teilnehmen zu dürfen. Auf diese Weise können wir miteinander ins Gespräch kommen und auch andere Leser an interessanten Events teilhaben lassen. Herzlichen Dank dafür! Und über diesen Beitrag habe ich schallend gelacht …

Liebes UniWehrsEL,

gestern war ich beim Liederabend von Asmik Gregorian an der Oper Frankfurt. Der Schwerpunkt lag auf zwei russischen Komponisten Tschaikowski und Rachmaninov. Der erste Teil hatte für mich etwas zu viel Klavieranteil. Tschaikowskis Melodien klangen für mich alle gleich. Es plätscherte so dahin. Es erinnerte mich fast an Radiohören, wo ich auch nicht jeden Titel von BR Klassik inbrünstig lausche.

Der zweite Teil mit Liedern von Rachmaninow gefiel mir deutlich besser und zeigte mehr die Power von Asmik. Überlang war dann das letzte Lied Disonanz. Ich habe die Texte überflogen. Hatte beim Hören auch mal die Augen zu. Habe Asmiks bonbonfarbenes Kleid studiert, welches post-gelb leuchtete. Mir ist aufgefallen, dass sich Asmik mehrfach nach einigen Liedern geräuspert hat. Es war wohl nicht so leicht zu singen. Die Zugabe hat mir gefallen. Ihr Begleiter hatte ein Hemd mit Kuhflecken an, also schwarz-weiße Flecken.

Hätten Dich die russischen Lieder angesprochen?

Und ganz ehrlich, es war mir zu voll im Parkett, und ich bin in den zweiten Rang mit viel Luft zwischen mir und den Anderen gegangen. Mit Maske wurde es mir trotz alleine Sitzens ziemlich warm. Im gleichen Rang war Mareike Wink – Dramaturgin für die Einführungsvorträge. Mit Abstand saß in meiner Reihe ein älteres Ehepaar. Sie flüsterten: „Endlich mal kein Schubert! Aber dafür Langeweile!“ – In der Pause sind sie gegangen.

Dafür setzten sich zwei junge Frauen Anfang zwanzig auf den Platz und wollten ein Video mit Smartphone drehen, was besagte Mareike Wink erbost auf den Plan rief. Die darauf hinwies, dass Fotoaufnahmen der Vorstellung nicht gestattet seien. Dieses Nebenspektakel hat mir den Anfang von Teil 2 Rachmaninow etwas verhagelt, hat aber ein lustige Geschichte für dich beschert und erklärt dir vielleicht, warum es bei mir etwas gedauert hat, bis ich andächtig gelauscht habe. Um zur Ruhe zu kommen habe ich die Augen geschlossen und der berauschenden Stimme von Asmik gelauscht.

Ein Vorteil von russischen Liedern ist, dass ich sie nicht kenne, außer der Arie von Lensky oder des Grafen aus Eugen Onegin von Tschaikowski, und auch die Sprache nicht mal bruchstückhaft verstehe, so erkenne ich die Lieder nicht wieder.

Die russische Sängerin Olga Peretyatko hat ein Album mit russischen Opernarien herausgebracht. Daher kenne ich nun auch eine Arie über einen goldenen Gockel (Hahn) und würde sie wahrscheinlich wiedererkennen, sollte Frau Gregorian diese Arie mal als Zugabe geben. Nach meiner Suche in Youtube gibt Frau Gregorian aber am liebten die Arie des Mondes aus Rusalka – natürlich in Tschechisch – zum Besten oder es werden davon am meisten Videos gedreht.

Ebenfalls bei mir im zweiten Rang muss der Pressefotograf der FAZ gesessen haben. Jedenfalls hat ein Herr mit riesigem Stativ mehrere Fotos von Asmik gemacht, ohne von Frau Wink beachtet zu werden, und irgendwie muss der Bericht über das Konzert denn auch bebildert werden. Sollten in Zukunft die Kameras der Presse nicht mehr funktionieren, weil in der Kamera Computerchips aus Taiwan stecken und China den Westen ärgern will, könnte man einen Phantomzeichner zum Frankfurter Liederabend schicken. Er könnte dann Frau Gregorian beim Singen zeichnen.

Das hätte durchaus seinen Charme, findest Du nicht?

Zur Autogrammstunde war ich diesmal nicht. Also da habe ich dann Asmik in Shorts verpasst. Aufregender als Asmik an der Stange tanzend in Manon Lescaut kann der Anblick hoffentlich nicht gewesen sein. Dafür habe ich in der Pause die Frankfurter Sängerin Bianca Tognocchi gesehen. Sie war in einer Frauenrunde unterwegs – weitere Sängerinnen habe ich aber nicht erkannt – aber sie war eindeutig auf Spionagemission, was macht Asmik so beliebt beim Publikum.

Du siehst also bei mir war einiges los im zweiten Rang. 

Übrigens habe ich auch pünktlich den Zug zurückbekommen. Er war gefühlt total leer. Nach dem Ansturm durch das 9-Euro-Ticket kam mir die Deutsche Bahn vor wie eine Wohlfühloase und sogar den Anschlussbus vom Bahnhof habe ich bekommen.

Ganz liebe Grüße an alle UniWehrsEL-Leser, sie könnten mir ja auch einmal schreiben!

Anbei für die Leser:innen die Arie aus dem goldenen Hahn:

Danke auch an Mohamed Hassan auf Pixabay für das passende Bild mit Sängerin und Klavier!

  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrag zuletzt geändert am:9. September 2022
  • Lesedauer:5 min Lesezeit