Du betrachtest gerade Psychologie: Hesiods Theogonie und Pandora-Mythos – wie das Übel durch eine Frau in die Welt kam und die Hoffnung (Elpis) bleibt

Will man viele Alltagsrätsel lösen ist es durchaus ratsam, die Psychoanalyse hinzu zu ziehen. Diese wiederum bedient sich gerne der griechischen Mythologie. Nehmen wir als Beispiel Andreas Maneros. Er schreibt in Warum Ödipus keinen Ödipus-Komplex und Adonis keinen Schönheitswahn hatte. Psychoanalyse und griechische Mythologie – eine Beziehungsklärung (2018), über viele Vertreter der griechischen Mythologie wie etwa Prometheus oder Pandora, die seit Sigmund Freud als Namensgeber für Komplexe, Syndrome oder Theorien der Psychoanalyse verwendet werden. Richtig spannend wird es für uns UniWehrsEL-Leser, wenn wir gerade in Krisenzeiten Hoffnung aus der Psychologie, mit Anklängen an die Mythologie, schöpfen; ein Beitrag zu unserem Seminar im Sommeremester 2026. 

Hesiods Theogonie (geboren in Griechenland etwa 700 v. Chr.) zählt zu den ältesten Quellen der olympischen Götterwelt. Darin erwähnt ist Prometheus (Sohn des Titanen Iapetos und der Titanin Klymene), Inspiration für Dichter von Hesiod und Aischylos bis hin zu Goethe und Shelley.  Er stand als Sinnbild der Rebellion und der technischen Intelligenz, raubte das Feuer, um den Menschen das Fleisch des Opfertiers zukommen zu lassen, betrog die Götter und wurde bitter von ihnen bestraft.  Gekettet an einen Felsen im Kaukasus, fraß ein Adler tagtäglich seine Leber, die nachts wieder nachwuchs.

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Psychoanalytiker nutzen ihn zur Erklärung des Prometheus-Komplexes. Wer noch näheres erfahren möchte, der kann dies in Darmstadt und seine Prometheuslandschaft nachlesen. Geträumte, digitale und virtuelle Welten haben im Kontext von „Prometheus“ in Darmstadt seit Jahren Hochkonjunktur.

Prometheus hatte einen Bruder, den Epimetheus, ein „Tor“, wie er von Hesiod apostrophiert worden ist, „von Beginn ein Unglück den brotverzehrenden Menschen“ (Theogonie, 510), so beschreibt es Emmerich Nyikos in „Streifzüge“. „Denn Epimetheus nimmt von den Göttern die Pandora als Gabe, entgegen dem Rat des Prometheus.

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Pandora, die dann den Deckel vom Tonkrug, in dem sich alle Übel befanden, wegnehmen sollte; Übel, die alle sogleich aus dem Behälter entwichen – nur die Hoffnung blieb darinnen zurück. Prometheus hatte den Bruder gewarnt, „aber er nahm’s und merkte das Übel erst, als er’s hatte“ (Werke und Tage, 89).

In Hesiods frühgriechischemTheogonie, dem Werk über die Entstehung der Götterwelt, spielt das Thema Hoffnung (griechisch Elpis) im Vergleich zu seinem zweiten Hauptwerk Werke und Tage, eine eher indirekte, aber fundamentale Rolle.

Interessant ist die Abstammung der Götter aus dem Chaos, einem Konzept, das die Leere oder das Nichts darstellt, das vor der Erschaffung der Welt existierte. Chaos ist in diesem Sinne ein Seinszustand, der das Universum symbolisiert, bevor Ordnung geschaffen wurde. Hesiod beschreibt eine kosmische Genealogie: aus Chaos entstehen Gaia (Erde), Tartarus (die Unterwelt) und Eros; Gaia erzeugt Uranos (Himmel) und die Gebirge, und daraus ergeben sich weitere Generationen von Göttern, Titanen und später die olympischen Götter.

Wichtige Elemente daraus sind die Schöpfung der Weltordnung durch göttliche Elternpaare und deren Kindern. Die Titanen-Kontroverse: Kronos stürzt seinen Vater Uranos, wird dann von seinem Sohn Zeus herausgefordert, der schließlich die Herrschaft über die Götterwelt erlangt. Die Machtverhältnisse unter den Göttern, Menschheit und göttlichen Rechten, inklusive der Schöpfung der Menschen, der Verteilung von Schicksal, Tod und Strafe. Aufzählungen wichtiger göttlicher Abstammungen, Mächte und ihre Domänen (z. B. Zeus als Herrscher des Himmels, Poseidon als Herrscher des Meeres, Hades als Herrscher der Unterwelt).

Zweck und Bedeutung der Theogonie ist eine systematische Mythologie der griechischen Götterwelt und Erklärung deren Herkunft. Sie beeinflusste späteres mythologisches Denken, Literatur und Kunst und liefert viele Motive, nicht nur für griechische Tragödien und Philosophie.

Hesiod nutzt den Mythos von Pandora in seinen Werken, insbesondere als ätiologisches Mittel (Ursprungserzählung), um den Übergang vom „goldenen Zeitalter“ zu einer Welt voller Plagen, Schmerz und harter Arbeit zu klären. Er setzt die Neugier Pandoras gezielt ein, um zu begründen, warum das menschliche Leben mühsam ist, um eine frauenfeindliche Weltsicht zu konstruieren.

Besonders am Weltfrauentag gewinnt dieser Aspekt eine immer wiederkehrende Bedeutung! Lesenswert zum Weltfrauentag auch unser Beitrag zu Elsa Asenjieff.Ich bin eine Frau, die sich ihren Platz in der Welt selbst erkämpft. Keine Ketten können meine Gedanken fesseln, und keine Regeln können meine Freiheit einschränken.“.

Pandora und ihr Mythos sind in diesem Sinne die von Zeus geschaffene Strafe für die Menschheit, nachdem Prometheus das Feuer gestohlen hat. Sie ist ein „schönes Übel“ (kalon kokon), das den Männern als „Gabe“ getarnt, geschickt wird. Pandora bringt ein Gefäß (ursprünglich ein Pithos, ein großes Vorratsgefäß, keine Schachtel) mit, das alle Übel enthält. Indem sie es öffnet, entlässt sie Krankheit, Mühe und Schmerz in die Welt. Laut Hesiod bleibt nur die Hoffnung (Elpis) im Gefäß zurück, während alle anderen Übel entweichen.

Zum Weiterdenken: In der Hoffnung (Elpis) liegt ein paradoxes Element. Ist Hoffnung ein weiteres Übel, das den Menschen quält, oder ein Trost, den Zeus ihnen lässt? Dient Pandora der Konstruktion von Frauenfeindlichkeit durch ihre mythologische Darstellung? Pandora wird als erste Frau dargestellt, die von den Göttern mit einem „treulosen Sinn“ und einer „Hündinnen-Natur“ ausgestattet wurde. Hesiod nutzt sie als Symbol für die vermeintliche „Gefährlichkeit und Listigkeit von Frauen, die Männern Wohlstand rauben“.