Du betrachtest gerade Kommentar zu Ellen: Romane als Hoffnungs-Quellen; „Ghost Stories“ von Siri Hustvedt

Seit dem Beitrag zu Ellens Tagebuch und der Lektüre von Siri Hustvedt fiebert eine UniWehrsEl Leserin gerade dem Buch „Ghost Stories“ von Siri Hustvedt entgegen. Ihre Hoffnung ist, sowohl ‚Abschied zu lernen‘, als auch neue Einsichten für Zeiten der Krise und Hoffnung zu bekommen. Ellens Einblicke in Hustvedts Erzählungen halfen ihr, Hustvedts ‚Geistergeschichten‘ nicht nur im klassischen Sinne zu verstehen, sondern als eine tiefe Reflexion über Liebe, Verlust und den ständigen Dialog zwischen zwei Menschen.

Hallo Ellen,

herzlichen Dank für Ihren Beitrag zu Siri Hustvedt, der mich sehr anregte, danke liebe Ellen! Gerne möchte ich Ihnen meine Überlegungen mitteilen: Im April 2024 verstarb Paul Auster (Nachruf von Dani Levy), Hustvedts Ehemann, an einer Krebserkrankung. Nur wenige Tage vor seinem Tod äußerte er den Wunsch, als Geist zurückzukehren. Diese Vorstellung spiegelt sich in Hustvedts Erlebnissen wider, als sie in ihrem Zuhause in New York den Geruch von Zigarrenrauch wahrnimmt – ein Duft, der sie an ihren Mann erinnert. „Leider muss ich sagen, dass der Zigarrenrauch inzwischen stark zurückgegangen ist. Wenn ich diesen Geruch freiwillig aufrechterhalten könnte, würde ich es tun“, teilt sie mit. Diese Momente des Erinnerns sind sowohl tröstlich als auch schmerzlich, und genau diese Dualität macht ihre Erzählungen so berührend.

Hustvedt beschreibt, dass es keine bewusste Entscheidung war, dieses Buch zu schreiben, sondern eine Notwendigkeit. In der letzten Nacht, die sie gemeinsam verbrachten, ermutigte Auster sie mit den Worten: „Schreib weiter, arbeite weiter, lass dich nicht von meinem Tod aufhalten, okay?“ Diese bemerkenswerte Großzügigkeit eines sterbenden Mannes bewegt mich zutiefst und lässt mich darüber nachdenken, wie wichtig der künstlerische Ausdruck für die Trauerbewältigung ist. (Image by StockSnap from Pixabay)

Ghost Stories“ erzählt von den 43 gemeinsamen Ehejahren, von Liebesbriefen aus ihrer Studentinnenzeit bis hin zu den dramatischen Momenten während der Krankheitsgeschichte Austers. Hustvedt lässt uns an den persönlichen, intimen Gedanken und Gefühlen teilhaben, die in den letzten Tagen ihrer Beziehung entstanden. Diese Passagen sind oft überwältigend, doch sie sind notwendig, um den Leser in ihre Welt einzuführen und das „Dazwischen“ von Paul und ihr sichtbar zu machen.

Sie beschreibt das „Dazwischen“ als die Philosophie eines intensiven Austausches, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat. Hustvedt stellt klar, dass es nicht um den perfekten literarischen Helden Auster geht, sondern um die komplexe Realität ihrer Partnerschaft. Diese authentischen Einblicke sind in unseren politisch dunklen Zeiten besonders wertvoll – sie bieten ein Plädoyer für den Austausch und die Kraft der Verbindung zwischen Menschen.

Ich hoffe, dass „Ghost Stories“ nicht nur einen Spiegel der eigenen Trauer und Erinnerung bietet, sondern auch als Inspiration für die Teilnehmer des Seminars dient, wie man in bewegten Zeiten Lebenskunst entwickeln kann. Hustvedts Buch zeigt uns, dass es in der Kunst der Erinnerung und im Dialog mit unseren Vorfahren – lebend oder verstorben – einen Ort für Hoffnung und Heilung gibt.

Aus Siri Hustvedts „Ghost Stories“ können Teilnehmer des Seminars zahlreiche wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Denn Hustvedts bewegendes Werk zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Erinnerungen und authentische Geschichten helfen können, mit Verlust und Trauer umzugehen. Der ständige Dialog zwischen ihr und Paul Auster verdeutlicht die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen, besonders in Krisensituationen.

Durch das Teilen intimer Gedanken lehrt Hustvedt uns die Kraft der Vulnerabilität. Wie wurde es in der Analyse, bezogen auf Ihre Lebenssituation im Kontext von Hustvests Roman beschrieben, liebe Ellen: Ellen erlebt im Augenblick gerade wieder genau das, was Leo Hertzberg in „Was ich liebte“ durchmacht: Den Moment, in dem das gewohnte Lebensgerüst für sie subjektiv betrachtet einstürzt. Aber genau hier setzt Hustvedts Philosophie der Hoffnung an. Für Ellen ist die Krise, die sie im Umgang mit sich selbst und gerade durch diese Abwendung von Kollegen und Direktorin erlebt, kein äußeres Ereignis, sondern ein innerer Prozess. Sie erkennt, dass ihre alten Methoden – das reine Funktionieren und das Festhalten an starren Idealen – nicht mehr ausreichen. Hustvedt beschreibt dies als einen Zustand der Vulnerabilität (Verletzlichkeit). (Image by spiagol56 from Pixabay)

Und gerade dies ermutigt uns dazu, eigene Erlebnisse offen zu diskutieren. Ihr Schreiben, liebe Ellen, fußt auf Hustvests wunderbaren Erkenntnissen. Genau dies wird zur lebensnotwendigen Ausdrucksform, die nicht nur Schmerz verarbeitet, sondern auch neue Hoffnung und Lebenskunst entfaltet. Diese Verbindung zwischen Trauer und Hoffnung offenbart sich in den gelebten Erzählungen und bietet eine wertvolle Perspektive, dass Lebensfreude auch in bewegten Zeiten erlebbar ist.

Liebe Grüße

Izzi Neven