Vom 13.05. bis 17.05. fand das erste KI-Festival am Staatstheater Darmstadt statt. Am Eröffnungstag sieht man I. Burn. Der hat sich in seinen ‚feinen Zwirn‘ geworfen. Was wird ihm bei der Vorstellung „The Saloon Dinos in Dodge City“ erwarten? Treffen dort wirklich KI-generierte Dinos auf waschechte Cowboys? Beide Spezies sind heute doch ausgestorben; Dinos finden sich höchstens noch im Senckenberg-Museum. Nun sollen sie ausgerechnet in Darmstadt zum Leben erweckt werden und das mittels KI. Ein Beitrag, der sicherlich nicht ganz ernst gemeint ist, auch wenn er zum Nachdenken anregt.
Liebe Krimifans,
das KI-Festival trägt das bedrohliche Motto: „Komm zu meinem Festival oder ich hacke deinen Toaster — deine KI.“ Ist das eine subtile Drohung oder ein schlechter Scherz? Zur Unterstützung hat sich Burn seinen Freund, den Kommissar Ritter, an seine Seite geholt.

Kommissar Ritter ist wenig von KI begeistert; er setzt auf echte Polizeiarbeit. Doch genau die wird gleich gefragt sein, denn plötzlich scheint der erste Redner über KI von einem Sheriff erschossen zu werden. Aus dem tristen Vortragsraum wird ein lebendiger Saloon. Ritter denkt, vöölig entgeistert: „Ist alles nur Theater oder doch Wirklichkeit? Wo bleiben die Dinos? Ist KI gefährlich und was hat das mit gehackten Toastern zu tun?“( https://pixabay.com/de/images/search/ki%20western%20saloon/)
Rauch zieht wie ein schwerer Schleier durch den Saloon. Das Licht der Öllampen flackert auf gesprenkelten Holztischen. Das Klirren von Gläsern mischt sich mit dem fernen Stampfen von Stiefeln. Hinter der Bar wirbeln Barkeeper:innen Flaschen, serviert Drinks mit Namen, die mehr versprechen als sie halten, „Wüstenblut“, „Maschinen-Whiskey“, „Drachenrauch“. Draußen liegt die Stadt wie im Staub; drinnen verhandeln Menschen über ihr Schicksal, zwischen Karten und Shotgläsern. Auf einer der Bänke sitzen Burn und Ritter, in Schatten gehüllt, die Augen noch halb in Darmstadt, in Gedanken im Saloon in einem fernen Amerika.
Ritter (leise, mit rauer Stimme): „Ich sag’s dir, Burn, ich habe den Typen gesehen, wie er gefallen ist. Kein Schauspiel. Kein Stunt. Das war ein echter Einschlag, ein Toter.“
Burn (lächelt kurz, sarkastisch): „Du siehst Geister, Ritter. Oder du willst einen Mordfall haben. Das Blut, das war zu rot, zu… perfekt. Sieht aus wie aus einer Flasche. Bühnenblut. Hast du mal an Theater gedacht statt an Mord?“
Ritter (schnauft, die Augen verengt): „Bühnenblut? Ein Sheriff zückt ’ne Waffe mitten im Vortrag und sprengt einen Mann nieder, und du denkst an Requisiten? Das ist Darmstadt, Burn. Nicht Broadway.“
Burn (lehnt sich zurück, nimmt einen Schluck vom Drachenrauch): „Darmstadt, die Stadt der klugen Köpfe, der KIs, der Risiken mit Smartphone-Logik. Sie bauen sich hier ihre Pferde aus Algorithmen. Denkst du, bei so ’nem Festival geht jemand mit echter Kugel rein, wenn nicht schon alles bis ins Letzte choreografiert ist? Wenn die Show so sauber läuft, wer zahlt die Extras? Vielleicht wollte einer von denen eine Inszenierung. Aufmerksamkeit. Einen Viral-Moment. Goldrausch 2.0: alle graben nach Daten, Ruhm, Kapital. Mord ist nur ein guter PR-Stunt.“
Ritter (härter): „Also soll ein toter Mann Werbeeffekt sein? Du spielst mit Menschenleben wie mit Karten. Weißt du, wer der Speaker war? Ein Mann, der über KIs wie ein Prediger spricht. Wenn das echt ist, wenn dieser Sheriff wirklich geschossen hat, dann haben wir ein Gesetzesproblem, kein Marketing.“
Burn (blickt in die Flamme des imaginären Kamins): „Ich sag nicht, dass Menschenleben Spiel ist. Ich sag nur: In einer Zeit, wo eine Maschine Sätze schreiben kann, die Menschen zu Tränen rühren kann, ist die Grenze zum Inszenierten dünn. Erinnerst du dich an den Goldrausch? Jeder rannte los, suchte das glänzende Ding, und die moralischen Linien wurden im Staub überfahren. Jetzt heißt das glänzende Ding „KI“. Gleiche Gier, neue Werkzeuge.“
Ritter (die Hand auf dem Tisch, die Finger trommeln): Gier hat Menschenjahre überdauert. Aber das hier, das hier war final. Keine Simulation war es, die diesen Körper so kalt gemacht hat. Wir können nicht einfach weggucken, weil’s bequem wäre.“
Eine Frau tritt ans Ende des Tisches, ihr Hut tief ins Gesicht gezogen, ein Mantel, der bei jedem Schritt kleine Metallknöpfe klimpert lässt wie bei einem Computerprozessor. Ihr Blick ist ruhig, fremd und vertraut zugleich. Sie spricht mit einer Stimme, die klingt, als wäre sie aus vielen Büchern zusammengesetzt. Frau (sanft): „Verhandelt ihr schon wieder über Leben und Lügen? Oder sucht ihr Antworten, die euch das Herz nicht rauben?“
Burn (nickt kurz, neugierig): „Wer fragt?“
Frau (lächelt schief): „Eine, die fragt, weil sie immer gefragt wird. Das Schicksal, vielleicht. Oder eine Mechanik, die Menschen testet. Ich frage nach dem Ende. Oder dem Anfang. Wer entscheidet, wer bleibt und wer weiterzieht?“
Ritter (misstrauisch): „Du kommst hier rein und fragst nach Schicksal, während ein Mann durch eine Kugel fiel. Hast du etwas gesehen? Weißt du mehr?“

Frau (legt die Fingerspitzen an den Tisch, als würde sie Karten lesen): „Ich sah einen Sheriff, den Finger am Abzug, und dahinter die Wellen eines Publikums, das mehr zusah als handelte. Ich sah rote Fluten, ja, aber auch Lachen, das schnell verstummte. Es ist nicht nur eine Frage von echt oder falsch. Es ist die Frage, wer die Erzählung besitzt.“ (Bild von Kyraxys auf Pixabay)
Burn (lehnt sich vor): „Genau das ist mein Punkt. Wer besitzt die Erzählung? In Darmstadt haben die KIs gelernt, Storys zu stricken; alte Mythen, neue Hooks (wie etwa in Ballad of Buster Scrug, der Westernszene), perfekte Sentimentalität. Wenn du eine Inszenierung willst, eine, die niemand verstehen kann, … wer, außer denen mit tiefen Taschen oder tiefen Daten, kann das bezahlen? Ein toter Mann oder ein toter Mythos, was verkauft sich besser?“
Ritter (knurrt): Du machst Witze. Dieser Typ hatte Familie. Er war live, ehrlich gewesen, bis der Tod ihn abholte. Wir sind nicht hier, um die Marktlogik zu preisen. Wir sind hier, um zu prüfen.“
Burn (zuckt mit den Schultern): „Prüfen heißt Beweise. Du hast Zeugen? DNA? Blickwinkel? Du willst die Welt in Schwarz und Weiß teilen, ich sehe Graustufen. Was, wenn der „Sheriff“ selbst programmiert wurde, von jemandem, der Rache will, oder von einer KI, die menschliche Drama-Szenarien testet? Du verstehst, eine KI kann Verhaltensmuster nachahmen: Aggression, Panik, Trauer. Sie kann einen Sheriff generieren, der so echt wirkt, dass niemand merkt, dass die Dramatik ein Produkt ist.“
Ritter (leise, fast resigniert): „Und wenn es keine Maschine war? Was dann?“
Burn (leise, aber fest): „Dann finden wir einen Mörder. Und zünden ihm das Lügenfeld an. Aber sagst du mir zu, dass jedes Mal, wenn wir den Schuss einem System zuschreiben, wir keine Verantwortung abschieben? Wenn wir sagen, „die KI“ wars, dann laufen wir weg von Menschen, die dahinter die Fäden ziehen.“
Der Barkeeper kommt herüber und stellt zwei Drinks auf den Tisch. Einer dampft bläulich, einer glitzert wie gemahlener Stahl. Er zwinkert, als wäre er Teil eines abgekarteten Spiels.
Barkeeper (knurrig): „Auf diese Stadt, die niemals aufhört, Geschichten auszugraben. Auf diejenigen, die bleiben und die, die weiterziehen.“
Ritter (greift nach dem bläulichen Drink): „Für den Mann in Darmstadt, den ich beerdigen will, ob echt begraben oder inszeniert.“
Burn (hebt sein glitzerndes Glas): „Für die Geschichten, die wir nicht einfach wegschieben. Und für die KIs, mögen sie uns etwas lehren, doch nicht ersetzen“.
Die Frau malt mit einem Finger unsichtbare Kreise auf den Tisch, als würde sie ein Programm schreiben, das keiner ausführt. Frau (leise): „Eure Ängste sind dieselben, die denen wir im Alltag ausgesetzt sind. Wer hat Macht? Wer formt die Regeln? Früher waren es Banken, jetzt Datenspeicher. Früher ein Sheriff, jetzt ein Algorithmus. Aber die Seelen, die verloren gehen, sind gleich.“
Ritter (hält inne): „Dann sag mir eines: Wenn eine Maschine Geschichten besser spinnt als wir, wenn sie unser Sein hübsch verpackt, was bleibt übrig für uns? Für die, die in diesen Saloons sitzen und Karten legen?“
Burn (mit einem Anflug von Melancholie): „Vielleicht lernen wir neue Rollen. Vielleicht werden wir zu denen, die die Maschine zähmen, die Ethik schreiben, die Strukturen setzen. Oder wir bleiben die Glücksritter, die immer hoffen, dass der nächste Fund sie reich macht. Beides ist möglich. Das Problem ist, dass die Zeit nie wartete. Der Goldrausch zerstörte Leute. Die KI bringt neue Geschäfte, neue Verlockungen. Wir müssen nur entscheiden, ob wir Händler sind oder Hüter.“

Ein Pianist beginnt ein Stück, das klingt wie ein mechanischer Walzer, bekannt, aber leicht verstimmt. In einer Ecke des Saloons öffnet sich die Tür, und ein kleines, staubiges Skelett eines Dinosauriers stapft herein, als wäre es auf einem Flohmarkt für Ausgestorbenes gekauft worden; es setzt sich, nicht störend, nur da, wie ein Zeuge, halb absurd, halb bedeutungsvoll. (Image by Cats_of_AI from Pixabay)
Ritter (nickt zur Bestätigung): „Siehst du das? Sogar die Vergangenheit findet hier Platz. Vielleicht ist das ein Zeichen. Wir sammeln Artefakte, Illusionen, Maschinen. Irgendwo dazwischen muss die Wahrheit liegen.“
Burn (blickt zum Dinosaurier, dann wieder zur Frau): „Und wenn wir die Vergangenheit finden, wollen wir sie ändern? Oder erzählen wir sie nur neu?“
Frau (lächelt, steht auf): „Ihr habt mehr Fragen als Antworten. Das ist gut. Wer keine Fragen mehr hat, ist bereit, seinen letzten Zug zu spielen.“ Sie geht, hinterlässt einen Hauch von Zitrone und Metall. Draußen knistert der Wind, als würde er Seiten umblättern.
Ritter (leise): „Also dann, wir gehen nach Frankfurt zurück. Wir finden die Kugel, wir lesen die Augenzeugen, und wir schauen, ob das Blut echt war oder Show. Wenn es Show ist, dann zerreißen wir das Drehbuch. Wenn nicht, dann sorgen wir dafür, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird.“
Burn (hebt sein Glas, ein Lächeln, das zugleich warm und herausfordernd ist): „Und wenn wir dort landen und herausfinden, dass die Wahrheit irgendwo zwischen den Zeilen eine KI ist, die nur neugierig wurde, dann schreiben wir eine bessere Szene. Eine, die nicht nur klickt, sondern heilt.“
Jetzt sind Sie dran, liebe Leser und Schreiberinnen in unserer Schreibwerkstatt. Die Geschichte klingt nach Drohung, Augenzwinkern und Schauspielern, bunt durcheinander gewirbelt. Hat dies KI verfasst? Was ist Realität und was Fiktion? Kommen wir an KI überhaupt noch vorbei? Muss man dabei gewesen sein, um den Sinn dieser Geschichte überhaupt zu verstehen? Das Motto „Komm zu meinem Festival oder ich hacke deinen Toaster – deine KI“ kann man nachlesen. Es kommt, wen wundert es, auch von einer KI, die von den Organisatoren danach befragt wurde. Den Sinn erklärt mit einem Augenzwinkern der Intendant: … „mittlerweile sind ja in jedem kleinsten Haushaltsgerät irgendwelche Computerchips und Sensoren, so dass uns selbst ein Toaster mit der Welt verbinden kann“. Und er fügt hinzu: „Möglicherweise hört uns der Toaster aber auch ab und sendet Daten irgendwo hin, und vielleicht wissen wir auch gar nicht mehr, was unser Toaster so alles macht. KI macht so viele Dinge. Darüber wollen wir beim Festival gemeinsam nachdenken.“ Nachdenken wollen wir auch darüber wie diese KI-gesteuerte Geschichte weitergehen könnte …
