Du betrachtest gerade XLII (Folge 42) „Tatort Frankfurt. Welche Rolle spielt die Magie der Musik?“ Oper Frankfurt und „Beeing I. Burn“?

Folge XLI des fiktiven Tatorts in unserer Schreibwerkstatt spielte im Bockenheimer Depot. Auf dem Spielplan steht die radikale, moderne Oper „Lost Highway“ von Olga Neuwirth. I. Burn hatte die Handlung unter der Überschrift „Wie viele Identitäten hat eine Person“ zuvor beschrieben und damit wieder einmal seine Fähigkeiten als Opernkenner unter Beweis gestellt. Auch in unserer aktuellen Folge 42 ermittelt neben Kommissar Ritter aus Frankfurt am Main der brillante Opernkenner I. Burn. Ihre Ermittlungen führen sie diesmal an die Oper Frankfurt, wo nach einer Aufführung von Mozarts Così fan tutte ein junger Sänger tot hinter der Bühne aufgefunden wird. Oder ist alles nur ein Traum?

Alptraum Image by geralt from Pixabay

(Szenebeschreibung U. W.) Kommissar Ritter hatte schlecht geschlafen. Gestern hatte er sich noch aus der Mediathek einen Film heruntergeladen, denn irgendwie spukt ihm dieses „Wie viele Identitäten hat eine Person“ noch im Kopf herum.

Er versuchte seine Gedanken zu ordnen: Da war zunächst einmal dieser ominöse „Philipp F.“, als potentieller Mörder im Opernmilieu. Er erinnert sich an das Enlightenment in der Dreikönigskirche in Frankfurt, wo e mit I, Burn das verschlüsselte Noten-Geheimnis, der Name Fis – H – E – A. „Fishea“ entschlüsselt hatte. Und überlegt: Wir entdeckten, dass die Operndiva Bellini einen Spitzname für jemanden hatte, den sie nie öffentlich erwähnte. Einen gewissen Phillipp F, einem Fanatiker.

Foto C. L.

(Schreibwerkstatt Auftakt bis Teil X).

Zudem hatte Burn bei ihrer letzten Ermittlung

Bockenheimer Depot“ von Frank C. Müller, lizenziert unter CC BY-SA 4.0
, via Wikimedia Commons

im Bockenheimer Depot dieses grauenvolle Spiegelkunstwerk mit dem gefeierten Sound-Designer davor entdeckt und auf einer Spiegelscherbe den Namen „Philipp“ identifiziert. Ritter seufzt: Letztlich wieder eine drapierte Leiche und ein Unbekannter, der entkommen konnte.

Dann war er wohl kurz eingenickt, so spannend der ausgeliehene Film auch war. Irgendwie fehlte ihm ein Handlungsfaden. Es ging in dem Streifen mit dem Titel „Being John Malkovich“ um einen geheimen Tunnel, der in das Bewusstsein des Schauspielers John Malkovich führt. Die Kritik zum Film hatte irgendwie spannend geklungen. „Wer würde hier zu Lande ein Drehbuch fördern oder kaufen, das von einem absurd niedrigen Büro erzählt, in dem gebückt gehende Menschen eine Sortiertätigkeit verrichten, wenn sie nicht gerade durch einen Wandschacht in das Innere von John Malkovich gleiten, wo sie 15 Minuten verweilen, um dann am New Jersey Turnpike in den Straßengraben zu plumpsen?“

Er mochte solche schrägen Filme wie „dieses Regiedebüt des 29-jährigen Werbe- & Musikclipregisseurs Spike Jonze und dem ersten Drehbuch des bisherigen TV-Autors Charlie Kaufman, produziert unter anderem von REM-Frontmann Michael Stipe und Steve Golin (Propaganda Films), die Filme von David Lynch, John Dahl und Jane Campion produziert haben.“

Ritter grübelte darüber, ob analog zum Film Identität unverwechselbar an eine Person gebunden ist oder ob sie von einem Menschen auf einen anderen übergehen kann.

(Szenebeschreibung K. B.) In diesem Moment klingelt sein Telefon. Er springt auf, denn ein neuer Tatort, samt Musik wartet auf ihn.

Noch ganz in Gedanken an den eben erlebten Film starrt er in der Oper Frankfurt auf eine Leiche. Neben dem Toten liegt eine zerbrochene Taschenuhr, deren Zeiger auf 23.15 Uhr stehen geblieben sind.

Ihn graust, denn aus einem Lautsprecher erklingt ununterbrochen die Arie „Un’aura amorosa“. „Du liebe Güte,“ denkt er, das erinnert doch zu sehr an diese Geschichte mit Carmen, zu Beginn unserer Ermittlungen. Ich habe diese Spielchen so satt.“

„Bin ich jetzt im Traum oder wach?“ fragt sich Ritter immer verwirrter, denn plötzlich erscheint wie Deus ex machina I. Burn auf der Bildfläche. Allerdings wirkt er nicht wie der Opernkenner, den er kennt, nicht wie sein vertrauter Ermittlerpartner, sondern wie ein geheimnisvoller Tatverdächtiger.

Für Ritter verschwimmen die Ebenen: „Träume ich nur von einem Mordfall? Verarbeitet mein Unterbewusstsein jetzt meine Zweifel, die sich während der gemeinsamen Ermittlungen angesammelt haben? Kann es wirklich sein, dass I. Burn tatsächlich der Täter ist? Was ist nur los mit mir?  

Deus ex machina, ist das ist das plötzliche Auftauchen einer Gottheit mit Hilfe einer Bühnenmaschinerie? Hilfe, ist Ivo Burn diese ‚Gottheit‘ und hat er in Philipp seinen Doppelgänger geschaffen?“ Schweißgebadet trinkt er einen großen Schluck Whisky, um seine Irritationen abzuschütteln.    

Die Traumsequenz wird damit zu einem inneren Kriminalfall: Ritter muss nicht nur den vermeintlichen Täter entlarven, sondern auch seine eigene Wahrnehmung überprüfen. Zwischen Opernbühne, Verhörraum und Unterbewusstsein verschwimmen die Grenzen zwischen Ermittler und Verdächtigem, Wahrheit und Einbildung, Realität und Traum.

Unsere Schreibwerkstättler des Tatort Frankfurt und der Magie der Musik haben daraus eine Geschichte gebastelt.

Szene 1 (D. W.): Der Verdächtige

Hochzeitstorte Image by alexramos10 from Pixabay

Die Oper Frankfurt lag nach der Aufführung von Mozarts Così fan tutte (zur Handlung auch unser gleichnamiger Beitrag mit Hochzeit Puppen und Täuschung) im Dunkeln. Hinter der Bühne fand Kommissar Ritter den jungen Sänger Adrian Voss tot auf. Neben der Leiche lag eine zerbrochene Taschenuhr, deren Zeiger auf 23.15 Uhr standen. Aus einem Lautsprecher erklang ununterbrochen „Un’aura amorosa“.

Die Situation erinnerte Ritter an den berühmten Film Being John Malkovich: Auch dort führt ein versteckter Zugang nicht in einen gewöhnlichen Raum, sondern direkt in den Kopf eines anderen Menschen. Doch während der Film den Eintritt in das Bewusstsein als groteske, beinahe komische Erfahrung zeigt, wirkte dieser Ort auf Ritter bedrohlich. Hier ging es nicht um einen absurden Erlebnistrip, sondern um Mord, Schuld und die Frage, wem eine Erinnerung eigentlich gehört.

Plötzlich erschien I. Burn im Seiteneingang.

„Was tun Sie hier?“, fragte Ritter.

„Ich wollte mit Voss sprechen.“

„Er ist tot.“

Burn sah auf die Leiche. „Ich weiß.“

„Sie waren der Letzte, der ihn lebend gesehen hat.“

Burn schwieg. Unter seinem Fingernagel klebte dunkler Bühnenstaub.

„Haben Sie ihn getötet?“, fragte Ritter.

Burn hob den Blick.

„Ich weiß nicht mehr, welcher von uns beiden es war.“

Szene 2 (K. M.): Der Weg in Burns Kopf

Ritter folgte Burn durch einen schmalen Gang hinter der Bühne. Die Wände schienen immer näher zusammenzurücken, bis die Decke so niedrig war, dass Ritter sich bücken musste. Für einen Moment erinnerte ihn der Gang an die merkwürdige siebeneinhalbte Etage aus Being John Malkovich: einen Ort, der zwischen den normalen Räumen liegt und keinen eindeutigen Platz in der Wirklichkeit besitzt.

Hinter einem schwarzen Wandschrank entdeckte Ritter einen schmalen Spalt. Aus ihm drang Musik.

Un’aura amorosa …

„Das ist unmöglich“, murmelte Ritter.

Burn stand plötzlich hinter ihm. „Im Film führt der Tunnel in den Kopf eines Schauspielers. Bei mir führt er in das, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn er sich selbst nicht mehr vertraut.“

Ritter berührte den Spalt. Sofort wurde er von einem Sog erfasst. Er fiel durch einen dunklen Tunnel und nahm dabei fremde Eindrücke wahr: den Geruch von Schminke, den Geschmack von trockenem Wein, das Rascheln eines Opernvorhangs und die Stimme eines Sängers. Wie im Film erlebte er die Welt nicht mehr nur mit seinen eigenen Sinnen.

Un’aura amorosa …

Ritter hörte Burns Stimme, obwohl der Opernkenner nicht mehr vor ihm stand.

„Wenn Sie die Wahrheit finden wollen, müssen Sie in mich hinein.“

Am Ende des Tunnels entdeckte Ritter eine Tür. Auf ihr stand: I. BURN.

Er öffnete sie.

Dahinter lag kein Zimmer, sondern ein gewaltiger Opernsaal. Auf der Bühne standen zwei identische Männer. Einer war I. Burn. Der andere trug dasselbe Gesicht, denselben Anzug und denselben kalten Blick.

Ritter dachte an die absurde Logik des Films: Dort wird der Zugang zu Malkovich zunächst als Geschäft vermarktet, als wäre der Eintritt in ein fremdes Bewusstsein eine harmlose Attraktion. Auch hier schien jemand Burns Inneres benutzt zu haben – nicht für Geld, sondern um seine Identität zu manipulieren und ihn zum perfekten Tatverdächtigen zu machen.

Die Musik wurde lauter. Die beiden Burns begannen, sich wie Marionetten zu bewegen. Ritter erinnerte sich an Craigs Puppenspiel in Being John Malkovich: Der Puppenspieler steuert andere Menschen und sucht dadurch seine eigene Verwirklichung. Vielleicht, dachte Ritter, war auch Burn nur eine Marionette. Vielleicht bewegte jemand anderes die Fäden.

„Wer von Ihnen ist der echte Burn?“, fragte Ritter.

Beide Männer antworteten gleichzeitig:

„Ich.“

Die Musik wurde lauter. Der Boden unter Ritter begann zu schwanken. Er wollte zurück zur Tür, doch sie war verschwunden. Stattdessen fiel er in einen dunklen Raum, in dem Stimmen durcheinander sprachen.

Dann hörte er einen einzigen Satz:

„Du hast ihn verdächtigt, weil du dich selbst nicht mehr erkennst.“

„Wer hat Adrian Voss getötet?“, rief Ritter.

Beide Burns antworteten:

„Ich.“

Dann stürzte der Opernsaal in sich zusammen.

Szene 3 (I. N.): Das Erwachen

Ritter schreckte aus dem Schlaf hoch.

Er saß in seinem Bett und rang nach Luft. Das Zimmer war dunkel. Für einige Sekunden wusste er nicht, wo er war. Vor seinen Augen standen noch immer die beiden identischen Gestalten aus seinem Traum.

Ein stechender Schmerz zog durch seinen Kopf. Ritter presste die Hände gegen die Schläfen. Die Kopfschmerzen wurden stärker, sobald er versuchte, sich an Einzelheiten zu erinnern.

Der Traum hatte die Grenzen zwischen Realität und Einbildung aufgehoben – genau wie Being John Malkovich. Im Film verliert der Besucher nach kurzer Zeit die Kontrolle und wird aus dem fremden Bewusstsein hinausgeschleudert. Ritter fragte sich, ob auch er nur für wenige Minuten in Burns Kopf gewesen war oder ob etwas von ihm dort zurückgeblieben war.

Langsam stand er auf und ging zum Fenster. Draußen begann Frankfurt zu erwachen.

Auf seinem Nachttisch lag sein Notizbuch. Ritter schlug es auf.

Auf der letzten Seite stand ein Satz, den er nicht bewusst geschrieben hatte:

I. Burn ist nicht der Täter. Er ist der Tatort.

Aus dem ausgeschalteten Radio erklang plötzlich leise Musik.

Un’aura amorosa …

Ritter fuhr herum. Das Radio blieb dunkel.

Dann hörte er Burns Stimme direkt neben seinem Ohr:

„Kommissar, Sie waren nicht in meinem Kopf.“

Ritter drehte sich um.

„Ich war in Ihrem … “

Und erwachte endgültig aus seinem bizarren Traum. Die Sonne schien und Frankfurt erstahlt hoffnungsvoll.

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War das nun wirklich alles nur ein Traum, in dem sich Wahrheit, Täter und Opfer verwischen? Geistert der geheimnisvolle Philipp F. noch immer durch die Frankfurter Tatorte und spielt seine gehimnisvolle Magie der Töne? Was hat er mit I. Burn gemeinsam? Wer schreibt uns wie es weiterghen soll?

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  • Beitrag zuletzt geändert am:9. September 2026
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