Du betrachtest gerade Zeitgeschehen: Die Künstlerin Uschi Heusel feiert 10 Jahre „Rattenkreisel“

Uschi Heusel ist Künstlerin. Sie hat sich uns im UniWehrsEL bereits persönlich vorgestellt. Zum zehnten Jubiläum der Skulptur der Comic-Ratte Ludwig auf dem Steinbergkreisel (auch Rattenkreisel genannt) in Dietzenbach zeigte die Künstlerin Uschi Heusel eine Ausstellung im Historischen Museum.

Uschi Heusel hatte eingeladen und alle kamen. Anlass war das zehnjährige Jubiläum der auf einem Steinhaufen sitzenden Bronzeskulptur der bekannten Comic-Ratte Ludwig im sogenannten „Rattenkreisel“. Der Bau des Dietzenbacher „Rattenkreisels“ im Jahr 2016 löste eine heftige, wochenlange Kontroverse (FR Widerstand gegen den Rattenkreisel) in der Stadt aus, die zu Protesten, einer Bürgerinitiative und schließlich zu einem Gerichtsverfahren führte.

Anfang 2016 gründete sich die Bürgerinitiative (BI) „Bürger gegen den Ratten-Kreisel“. Die Initiatoren sammelten rund 700 Unterschriften gegen die Aufstellung der Bronzefigur. Die BI argumentierte, dass eine Ratte ein Negativsymbol sei. Sie befürchteten, Dietzenbach könnte durch die Skulptur als „Rattenstadt“ ins Lächerliche gezogen werden. Reichte es manchen nicht schon mit dem Slogan „In Dietzenbach, da sitzt der Teufel unterm Dach“, Artikel OP „“Do sitzt de Deiwel … , 2011)

Bemängelt wurde auch der politische Entscheidungsweg. Die BI forderte mehr Mitspracherecht für die Bürger bei der Gestaltung des öffentlichen Raums. Der Konflikt eskalierte im Frühjahr 2016 juristisch, allerdings nicht wegen des Motivs selbst, sondern aufgrund einer Urheberrechtsverletzung. Die Bürgerinitiative hatte für ihre Protestflyer und Info-Plakate die offiziellen Entwürfe und Skizzen der Künstlerin Uschi Heusel kopiert und abgedruckt – und zwar ohne deren Einverständnis.

Im Juli 2016 – nur wenige Wochen vor der geplanten Kreisel-Einweihung – gab das Gericht der Künstlerin in vollem Umfang recht. Das Gericht stellte fest, dass die BI Heusels Zeichnungen illegal genutzt hatte. Die Initiative wurde zur Unterlassung verurteilt und musste die Anwalts- und Verfahrenskosten tragen.

Der juristische Sieg ebnete den Weg für das Kunstwerk. Am 31. Juli 2016 wurde der neu gestaltete Steinbergkreisel inklusive der bronzenen Ratte Ludwig offiziell eingeweiht. Trotz des anfänglichen Gegenwinds hat sich die Skulptur über die letzten zehn Jahre zu einem bekannten und identitätsstiftenden Wahrzeichen Dietzenbachs entwickelt.

Die Stadtpolitik reagierte damals gespalten, am Ende setzte sich jedoch die Mehrheit im Rathaus für die Kunstfreiheit und die Aufstellung der Skulptur durch. Bei der heutigen Jubiläumsfeier und Vernissage im Historischen Museum Dietzenbach versammelten sich langjährige Wegbegleiter, Kulturschaffende und Fans der Comic-Ratte und ihrer Erzeugerin.

Foto E. W.

Foto O. F.-E.

Für die Künstlerin Uschi Heusel sollte sich der gestrige Tag wie eine große Familien-Geburtstagsfeier anfühlen, bei der die Freude über das etablierte Wahrzeichen im Vordergrund stand. Wer nicht dabei sein konnte, der hat noch Gelegenheit dies nachzuholen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. August 2026.

Foto E. W.

Es war voll und heiß im Nebenraum des Historische Museums in Dietzenbach. Uschi Heusel und ihre Freunde zeigten zahlreiche Exponate; als Höhepunkt die originale Skulptur der „Ratte Ludwig“ aus Pappmaché, aber auch zahlreiche neuere und ältere Werke der Künstlerin. Die Wanderratte Ludwig kennt man seit 1998 auch als Cartoon in der Offenbach-Post und bezieht sich auf das Stadt- und Weltgeschehen, natürlich ‚babbelt‘ sie hessisch.

Die Geburtsstunde der Figur Ludwig liegt im Jahr 1997 und wie Uschi Heusel selbst erzählt, war es reiner Zufall: Alles begann mit einer Auftragsarbeit. Sie sollte das Schutzblech einer Harley-Davidson gestalten und entwarf dafür einige Motive.

Aus den ersten Entwürfen entwickelte sich zunächst der Buchprotagonist „Rudi“ (benannt nach Heusels Vater). Ein weiteres, namenloses Nagetier-Comic schickte sie an die Zeitung. Daraus formte sich schließlich die feste Figur der „Ratte Ludwig“. Im Laufe der Zeit wuchs die Figur in den Comics zu einer echten Familie heran. Jedes Mal, wenn im echten Leben ein Enkelkind von Uschi Heusel geboren wurde, bekamen Ludwig und seine Comic-Frau Gerda ebenfalls Nachwuchs (Artikel OP 2022): Karlheinz, Emma und Siggi.

Die Ausstellung im Historischen Museum Dietzenbach umfasst eine Zeitspanne von zehn Jahren des kreativen Schaffens rund um die Kreisel-Skulptur und verbindet diese mit Meilensteinen ihrer Karriere. Vor allem dem Herzstück der Ausstellung, dem Original-Modell aus Pappmaché. Genau diese Figur diente damals als direkte Gussform für die ca. 1,60 Meter große Bronzestatue auf dem Steinbergkreisel.

Foto im Artikel „Die Not des Buchhalters“ von Uschi Heusel

Uschi Heusel gründete das fiktive „Museum of Modern Rat“ (Artikel Dietzenbacher Menschen). In der Ausstellung hängen opulente, komisch-kuriose Ölgemälde. Diese parodieren berühmte Meisterwerke der Kunstgeschichte, auf denen sich Ludwig oder seine Verwandten heimlich in die Szenerie geschlichen haben (wie etwa Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“).

Da Heusels jährliche Ratten-Kalender Kultstatus besitzen, hat sie die Ausgabe für das Jahr 2027 extra früh drucken lassen, damit sie pünktlich zur Ausstellungseröffnung bereitliegt.

Neben den Kalendern und Comicbänden zeigt Uschi Heusel in ihrem „Rattenmuseum“ persönliche Stücke aus ihren ersten Berufsjahren als freischaffende Künstlerin, darunter von ihr illustrierte Kinder-, Sach- und Schulbücher.

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  • Beitrag zuletzt geändert am:1. August 2026
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