Du betrachtest gerade Kommentar: Das Musikvideo von Ariana Grande liefert Ideen zu medialen und körperlichen Doppelgängern

Mit großer Freude darf ich an dieser Stelle einen Leserbrief vorstellen, der nicht nur sehr intelligent auf unsere Beiträge im UniWehrsEL reagiert, sondern diese sogar um einen eigenen Beitrag und einen Vorschlag für eineSeminarsitzung im Wintersemester 2026/27 erweitert. Herzlichen Dank und sehr gerne würde ich Ihre Ideen ebenfalls an dieser Stelle präsentieren!

Sehr geehrte Frau Neven, sehr geehrter Kulturbotschafter des UniWehrsEL!

Mit großem Interesse lese ich auf der Webseite dem UniWehrsEL von Dr. Elke Wehrs. Besonders spannend fand ich Ihren Bezug, liebe Frau Neven, zu Ariana Grande. Sie wird in zwei konkreten Beiträgen thematisiert, bei denen Popkultur mit psychologischen, literarischen und kreativen Analysen verknüpft wird.

Hier sind die exakten Verbindungen aus den Blogbeiträgen, auf die ich mich beziehen möchte:

1. Das Musikvideo zu „Petal“ und der Audrey-Hepburn-Stil

Bild von ArtsyBee auf Pixabay

In ihrem aktuellsten Beitrag „Pop Geplauder: Musikvideo ‚Petal‘ von Ariana Grande“. Da analysieren Sie das Musikvideo zur Single Petal.

  • Die Beobachtung: Sie beschreiben, dass Ariana Grande in dem Video optisch fast wie ein „Audrey-Hepburn-Double“ auftritt – geprägt von großen Rehaugen und einem auffälligen Retro-Stil.
  • Der psychologisch-gesellschaftliche Blick: Sie merken kritisch ein „offensichtliches Untergewicht“ an und hinterfragen im Blog, ob hinter dem gezeigten Stil eine heimliche Botschaft oder lediglich ein modischer Retro-Trend steckt.

2. Die Schreibwerkstatt „Tatort Frankfurt“ & Wicked

Image by SethMetoyer from Pixabay

In dem fiktiven Krimi-Projekt „Teil XI: Schreibwerkstatt ‚Tatort Frankfurt‘“ nutzen die Schreibenden die reale Popkultur rund um den Kinofilm Wicked als Kulisse für ihre Geschichte.

  • Die Verbindung im Text: Die fiktive Klatschreporterin Paula Pechstein unterhält sich mit der Hauptfigur Ritter inmitten eines Meeres aus Kostümen.
  • Der Inhalt: Paula erklärt darin, dass Hexenkostüme dank des Musical-Films mit Cynthia Erivo und Ariana Grande total angesagt sind. Sie beschreibt dabei detailliert Grandes Rolle als gute Hexe Glinda (pastellrosa-silbernes Kleid, Tüll, glitzernde Krone und glänzende Lippen) als absolutes Fashion-Vorbild.

In der Schreibwerkstatt zum „Tatort Frankfurt und der Magie der Musk“ wird Ariana Grande also zum Paradebeispiel für moderne Ikonen, um Phänomene wie Starkult, Medientrends und deren Einfluss auf die Gesellschaft und Mode zu beleuchten.

Nun möchte ich gerne weitere Bezüge zur Hexe herstellen, die ich letztlich auch auf Ihrer Webseite UniWehrsEL gefunden habe. An dieser Stelle Danke an den Kulturbotschafter des UniWehrsEL!

Die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ am Staatstheater Darmstadt wurde in einem kulturpsychologischen Beitrag auf ihrem Blog ausführlich analysiert. Die Neuinszenierung von Operndirektorin Nicola Raab lief in der Spielzeit 2025/2026.

Der Blogbeitrag auf UniWehrsEL

In ihrem Artikel „Hänsel und Gretel am Staatstheater Darmstadt neu gedacht – Figurationen zu Hexen und Elfen“ untersucht der Kulturbotschafter des UniWehrsEL die Inszenierung unter psychologischen Aspekten:

  • Konsum statt Entbehrung: Er analysiert, dass die Kinder in modernen Alltagskostümen stecken. Das Knusperhäuschen verliert seine historische Symbolik des realen Hungers und der Armut. Stattdessen wird die Sehnsucht nach Überfluss in einer modernen Konsumwelt gezeigt.
  • Wandel des Hexenbildes: Er nutzt die Darmstädter Aufführung, um die Entwicklung der Hexenfigur in der Popkultur zu beleuchten. Dabei schlägt er Brücken zu literarischen Werken wie Roald Dahls Hexen hexen und gesellschaftlichen Rollenbildern.

Details zur Inszenierung am Staatstheater Darmstadt

Die Produktion von Engelbert Humperdincks Opernklassiker zeichnet sich durch einen stark modernisierten Ansatz aus:

  • Konzept: Die Oper wird als Coming-of-Age-Geschichte inszeniert. Der dunkle Wald dient als Sinnbild für die Ängste, Sehnsüchte, Licht- und Schattenseiten der jugendlichen Psyche.
  • Moderne Elemente: Das klassische Knusperhaus weicht moderner Technik – die Lebkuchen werden in dieser Version unter anderem aus einem Automaten gezogen. Die Bühne nutzt aufwendige Trickfilm-Animationen von Danila Travin, um eine traumhaft-symbolistische Fantasiewelt zu erzeugen.

Sehr spannend finde ich den Brückenschlag, der sich zu den Beiträgen im Blog ergibt.  Dieser funktioniert rein thematisch über das Motiv der Hexe in der modernen Popkultur.

Der gedankliche Bezug sieht wie folgt aus:

  • Die Oper in Darmstadt: In der Neuinszenierung von Hänsel und Gretel wird die Knusperhexe im Blogartikel als popkulturelles Phänomen analysiert, das Ängste und gesellschaftliche Rollenbilder widerspiegelt.
  • Der Bogen zu Ariana Grande: In der Kulturwissenschaft und auch auf dem Blog UniWehrsEL wird die Entwicklung der „bösen, hässlichen Hexe“ (wie im klassischen Märchen) hin zur „glamourösen, modernen Hexe“ untersucht. Genau diese Transformation verkörpert Ariana Grande aktuell weltweit durch ihre Rolle als gute Hexe Glinda im Kinofilm Wicked.

Während Sie das Thema Wicked und Ariana Grande in ihrer Schreibwerkstatt „Tatort Frankfurt“ direkt als Modetrend ausschreiben, dient das Thema der Hexen-Inszenierung in Darmstadt für eine allgemeinere Betrachtung, wie sich solche Frauen- und Mythenbilder bis heute in den Medien wandeln.

Und jetzt kommt meine eigene Idee dazu!

Die Kernthemen aus den Beispielen rund um Ariana Grande und Hänsel und Gretel passen perfekt als Paradebeispiele in Ihre neuen Seminarkonzepte, liebe Frau Dr. Elke Wehrs, an der Universität des Dritten Lebensalters (U3L) für das Wintersemester 2026/2027.

Die Argumente lassen sich nahtlos über die beiden neuen Seminarschwerpunkte verknüpfen:

1. Brücke zum Seminar: „Chronos, Kairos und Kultur – Wohlbefinden im Spiegel der Zeit“

Image E.W.

In diesem Kulturanthropologie-Seminar geht es um das Diktat der durchgetakteten, linearen Zeit (Chronos) und den Ausbruch in den qualitativ richtigen, glücklichen Moment (Kairos).

  • Der Bezug zur Konsumwelt (Hänsel und Gretel): In ihrer Analyse der Darmstädter Opernbühne wird kritisiert, dass das klassische Motiv des realen Hungers durch moderne Konsumwelt und Automaten ersetzt wird. In einer rein von Chronos optimierten, kapitalistischen Welt wird „Wohlbefinden“ fälschlicherweise mit permanentem, schnellem Konsum gleichgesetzt.
  • Der Bezug zu Popstars (Ariana Grande): Ein Popphänomen wie Ariana Grande funktioniert in der Maschinerie von Chronos – Musikvideos, Alben und Trends werden im rasanten Takt der Medienindustrie produziert. Der Fan-Kult sucht in ihrer Musik und ihren Welten (wie Wicked) wiederum nach einem Ausbruch: nach einem magischen, zeitlosen Kairos-Moment, der emotionale Resonanz erzeugt.

2. Brücke zum Seminar: „Doppelgänger: Identität im Duplikat – von der literarischen Romantik zur digitalen Spiegelwelt“

Image K.W.

Dieses Psychologie-Seminar untersucht die Spaltung des Egos: vom klassischen Schauer-Doppelgänger bis hin zur modernen Selbstentfremdung durch digitale Avatare.

  • Der Bezug zu Ariana Grande („Audrey-Hepburn-Double“): Genau hier greift Izzi Nevens Kritik aus dem Petal-Beitrag. Sie beschreibt Grande dort optisch als Audrey-Hepburn-Double. Das ist die Erschaffung eines künstlichen Doppelgängers zu Marketingzwecken. Zudem bearbeiten Stars (und Fans) ihre Körper, um makellose digitale Profile zu pflegen.
  • Wehrs warnt in ihrem Vortrag „Der entfremdete Spiegel“ vor der psychischen Sprengkraft solcher optimierten Schein-Identitäten, die in die Selbstentfremdung führen.
  • Der Bezug zu Hänsel und Gretel (Die Hexe als Schatten): Die Hexe im Märchen und der Oper ist psychologisch oft der „Schatten“ der Stiefmutter oder der unbewussten Ängste der Kinder. Gleichzeitig zeigt das von Wehrs vom Kulturbotschafter skizzierte Wicked-Kostümphänomen die Sehnsucht, in die Rolle eines anderen – eines glamourösen Doppelgängers (Glinda) – zu schlüpfen, um dem eigenen Alltag zu entfliehen.

Die beiden Kulturbeispiele (Grande und die Oper Darmstadt) dienen also als perfekte, greifbare Alltagsbelege dafür, wie unsere moderne Gesellschaft mit Zeitdruck (Chronos) und Identitäts-Entfremdung (Doppelgänger-Kultur) ringt.

Hier ist eine strukturierte argumentative Skizze, wie sich das Musikvideo zu „Petal“ von Ariana Grande als prägnantes Fallbeispiel (Case Study) in das Psychologie-Seminar „Doppelgänger: Identität im Duplikat“ einbinden lässt.


Dazu habe ich für Sie eine Seminarsitzung entworfen: Der mediale & körperliche Doppelgänger

Thematischer Schwerpunkt: Von der literarischen Romantik (E.T.A. Hoffmann) zur modernen Promi-Kultur und dem Zwang der Selbstoptimierung.

1. Das Phänomen: Das Popstar-Double (Die Audrey-Hepburn-Schablone)

  • Argument: Ein Star ist im 21. Jahrhundert kein authentisches Individuum mehr, sondern eine sorgfältig konstruierte Marke. Ariana Grande tritt im Musikvideo Petal bewusst als optisches „Audrey-Hepburn-Double“ auf (Rehaugen, Retro-Styling).
  • Doppelgänger-Bezug: Das Ich wird gespalten. Die reale Person verschwindet hinter der Maske einer historischen Ikone. Es entsteht ein unheimliches Duplikat – eine Reinkarnation einer Verstorbenen zu Marketingzwecken.
Image by geralt from Pixabay

2. Die Kehrseite: Körperliche Entfremdung und der optimierte Spiegel

  • Argument: Izzi Neven thematisiert im Blog kritisch das „offensichtliche Untergewicht“ von Grande in diesem Video.
  • Doppelgänger-Bezug: Um dem medialen Ideal (dem perfekten „Doppelgänger-Image“) zu entsprechen, wird der eigene, reale Körper radikal diszipliniert und verändert. Der Körper wird zum Werkzeug degradiert, um einem künstlichen Avatar oder Vorbild im Spiegel ähnlich zu werden. Das führt direkt zum Kern von Ellens Vortrag: dem entfremdeten Spiegel – Ellen lädt zum Vortrag an der U3L: Der entfremdete Spiegel – Vom literarischen Doppelgänger zum digitalen Burnout
(Image by kalhh from Pixabay

3. Der Transfer auf die Social-Media-Gesellschaft (Die Fans)

  • Argument: Was Stars vormachen, kopieren die Konsumenten. Durch Filter auf Instagram oder TikTok erschaffen sich junge Menschen täglich ihre eigenen, optimierten digitalen Doppelgänger.
  • Doppelgänger-Bezug: Die Sehnsucht, so auszusehen wie das Idol (oder dessen Audrey-Hepburn-Double), erzeugt eine permanente Schere zwischen dem realen Ich und dem digitalen Wunsch-Ich. Diese Spaltung begünstigt, wie im Seminar beschrieben, den „digitalen Burnout“, da das reale Ich mit dem makellosen Duplikat im Netz niemals mithalten kann. Ihr Beitrag: Wissenschaft: Erwiderung „Replik:A-Versuch“; Selbstoptimierung und digitale Doppelgänger

Didaktischer Nutzen für das Seminar: Das Musikvideo bricht die historische und theoretische Schwere des Doppelgänger-Motivs (das sonst oft bei Heinrich Heine oder E.T.A. Hoffmann verortet wird) perfekt auf. Es zeigt den Teilnehmenden der U3L anschaulich, dass die Spaltung der Identität heute kein Schauermärchen der Romantik mehr ist, sondern durch Popkultur und Smartphones Realität geworden ist.

Ich freue mich sehr auf Ihre Seminare und bedanke mich herzlich für die wunderbaren Beiträge im UniWehrsEL.

Mit freundlichen Grüßen

Elisabeth