Die Oper Don Pasquale von Donizetti hatte gerade Premiere am Staatstheater Darmstadt. Der Kulturbotschafter des UniWehrsEL war mit Freunden dort, das Paar war nach der Aufführung der gleichen Meinung wie er: Diese Oper steht nicht unbedingt für die Hoffnung, auch in älteren Lebensjahren ein erfülltes Leben in einer glücklichen Partnerschaft zu führen. Doch zunächst sah es ganz anders aus. Don Pasquale, die Titelrolle, hat es sich in den Kopf gesetzt, endlich zu heiraten. Was nicht unbedingt ein langes glückliches Miteinander verheißt, wie das befreundete Paar ihn wissen lässt. Don Pasquale jedenfalls teilt mit vielen Männern seines Alters die Überzeugung, er als eleganter Gentleman mittleren Alters müsste doch der Traum einer jeden Frau sein.
Liebes UniWehrsEL,
Eigentlich kam Don Paquale bislang alleine ganz gut zurecht. Auf die Idee mit der Heirat hat ihn ausgerechnet sein Anwalt gebracht. Im Stile von Donald Trump hat der Anwalt ihm eine Heirat als heißen Deal angepriesen. Und wie es der Zufall so will, der Anwalt hat auch gleich seine Schwester zur Hand – eine Frau ganz nach den Vorstellungen eines ewigen Junggesellen – fügsam, sparsam und direkt aus dem Kloster. Eine reine Unschuld also, ganz unverdorben und ein Traum für jeden Junggesellen, sozusagen ein Strahl der Hoffnung auf ein spätes Glück. (Bild von julientromeur auf Pixabay)
Allerdings sollte Don Pasquale vorsichtig sein, wenn etwas zu gut klingt. Wie der Zuschauer erfährt, hat der findige Anwalt zwar eine Schwester, aber diese will er dem verliebten Don Pasquale nicht präsentieren, sondern eine Fake-Braut. Diese Dame ist die Freundin von Ernesto, dem Neffen von Don Pasquale, einem eher lebensuntüchtigem Typen.
In der Darmstädter Fassung ist Norina, die vermeintlich Auserwählte, zudem verbandelt mit dem organisierten Verbrechen. Sie plant mit dem Anwalt einen sogenannten Love-Scam, nicht etwa Online, sondern in der realen Welt. Sie will den Alten in sich verliebt machen, wie sie es bei Ernesto bereits getan hat.
Die Kostüm betreffend befindet sich der Zuschauer in den 1970er Jahren. Ernesto ist also ein Hippie mit langen Haaren. Aus Sicht seines Onkels ein Taugenichts. Deshalb schmeißt er ihn auch sogleich aus dem gemeinsam bewohnten Reihenhaus raus, Schluss mit wohnen in rustikaler Eiche und Trimm-Dich-Rad für Don Pasquale. Schließlich ist ein Mann nur so alt wie er sich fühlt.
Die Veränderungen im Haus werden argwöhnisch von den Dienern verfolgt. Diese mögen Don Pasquale so sehr, dass sie ihn am liebsten mit einem Beil erschlagen wollen. Möglicherweise hat der Anwalt die Dienerschaft ins Haus geschmuggelt. Es steht ein großer Coup an, nur dass Don Pasquale von seinem bevorstehenden Unglück noch nichts ahnt.
Das erste Treffen mit der verschleierten Braut verläuft für den verliebten Don Pasquale wie gewünscht; die Frau ist demütig, sparsam und schüchtern. Dies ändert sich erst mit der Unterschrift der Heiratsurkunde. Sobald die Tinte trocken ist, zeigt Norina ihr wahres Gesicht. Sie ist herrisch und verprasst das Geld von Don Pasquale. Das Haus wird neu eingerichtet und die Diener werden verdoppelt. Nun nimmt die mutmaßliche Bande ihr Werk auf.
Don Pasquale erträgt die rebellische Art seiner Frau nicht. Er sucht Rat beim Anwalt. Zum Zerwürfnis kommt es, nachdem seine Frau ihm Ohrfeigen verteilt hat. Zu sehen bekommt der Zuschauer diesen Moment nicht. Diese Tat ist aber zentral für die Handlung. Der Zuschauer war bis zur Ohrfeige stets auf der Seite seiner Frau. Denn der Überschwang und Stolz des Don Pasquale war dem Zuschauer zu viel. Die Titelfigur braucht einen Dämpfer. Das Verhalten von Don Pasquale war sehr selbstherrlich. Mit der Ohrfeige bekommt Don Pasquale nun das Mitleid des Zuschauers. Die Ohrfeige ist ein körperlicher Angriff.
Don Pasquale wird vom Anwalt in den Garten gelockt. Dort soll Don Pasquale den Neffen mit seiner Frau in Flagranti erwischen. So hofft Don Pasquale auf eine schnelle Scheidung von der bösen Frau. Er will das Verhältnis der Polizei melden.
In der Darmstädter Inszenierung wird die Gartenszene zu einem Fest der Verkleidung. Der Chor schleicht in bunten Kostümen herum. Das Szenario erinnert an die Oper Falstaff (demnächst im Staatstheater Mainz). Dort wird Falstaff in einen Wald gelockt und von den Einwohnern verprügelt. Wenn der Zuschauer dieses Bild im Kopf hat, kann er erahnen, dass es mit Don Pasquale ein der Darmstädter Fassung ein ebenso böses Ende nehmen wird. In der ursprünglichen Oper gibt Don Pasquale seine Frau Norina an den Neffen Ernesto weiter. Sie dürfen tatsächlich heiraten. Die Liebe gestiftet vom Anwalt findet einen Weg. (Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay)
Anders in Darmstadt; der Anwalt, Ernesto und Don Pasquale werden von der Gangsterbraut Norina mit einem Glas Sekt vergiftet. Es ist die ‚stille Emanzipation‘ der Norina. Sie übernimmt das Heft des Handelns. Dieses Ende ist sehr überraschend und gelungen. Die Hoffnung hat also Don Pasquale getrogen. Für ihn gibt es kein Happy End, sondern es lauert der Tod auf ihn. Auch Ernesto hat mit der Gangsterbraut kein Glück. Auch er stirbt. Der findige Anwalt hat wohl am wenigsten an sein Ableben gedacht, als er sich mit den Gangstern einließ. Für diesen Fehler bezahlt er mit dem Tod. Denn Hoffnung kann sehr trügerisch sein. Dies zeigt die Darmstädter Fassung von Don Pasquale sehr deutlich.
Regie führt Gertje Boeden. Mit ihrem Schluss hat sie die Zuschauer sehr überrascht und eine feministische Perspektive in die Oper gebracht. Das Ende könnte auch einem Krimi entsprungen sein. Dort tötet die Mörderin ebenfalls gerne mit Gift. Als Lebenskünstler sind die Figuren allesamt anzusehen. Der Neffe, der auf Kosten seines Onkels lebt. Der schlau-raffinierte Anwalt, die heiße naiv, freche Gangsterbraut und der euphorisch bis böse handelnde Don Pasquale. Die Figuren vermitteln wenig Hoffnung auf Überleben in bewegten Zeiten.
Liebe Grüße von Ihrem Kulturbotschafter des UniWehrsEL
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