In Folge XLVII (Folge 47) geriet Burn in Bedrängnis, weil beim Schauspiel„Eines langen Tages Reise in die Nacht“ seine Zeitebenen und Erlebnisebenen ineinander verliefen. Das Nebelhorn auf der Bühne geriet zur Stimme seiner eigenen Schuld. Sie ruft: „Leben sie? Nein, es nein, eisnebel,“ ein Palindrom… Hat er es selbst geschrieben und warum? Burn erwacht wie aus einem Traum, als er Ritters Hand auf seiner Schulter spürt. Der Kommissar hat den Opernkenner schon eine ganze Weile lang beobachtet.
Kommissar Ritter steht I. Burn skeptisch gegenüber. Sein Vertrauen ist angeknackst. Gerade diese Konstellation bietet enormen psychologischen Zündstoff.

Neue Szene A. W. : Die Ermittlungen führen Kommissar Ritter und Opernkenner I. Burn nach einer Aufführung von Eugene O’Neills „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ in die düsteren Ecken des Frankfurter Bahnhofsviertels. Kaum am Tatort angekommen, ertönt diese ganz bestimmte Musik – eine dissonante, rückwärtslaufende Tonfolge, ein musikalisches Krebs-Palindrom. Es klingt wie ein unheimliches Motiv aus einem Theaterstück.
Sofort belehrt I. Burn den Kommissar Ritter: „Hörst Du das Ritter, Musik rückwärts? Nichts Neues und trotzdem unheimlich … das gab es in der Musik schon im 17./18. Jahrhundert bei Johann Sebastian Bach (DLF zu Musikalisches Opfer), Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart. Es geht um einen Kanon, der so komponiert ist, dass es harmonisch klingt, wenn er beispielsweise von einem Instrumentalisten vorwärts und von einem anderen rückwärts gespielt wird. So einen „Krebskanon“ hat Johann Sebastian Bach im „Musikalischen Opfer“ eingesetzt …“ (vgl. münchnerstadtbibliothek blog Krebskanon, Palindromsinfonie und satanische Verse mit anschaulich animiertem Video des Stücks unter „Strange Path“)
Obwohl er dies Ritter nach außen hin eloquent vorträgt, erschrickt Burn innerlich zutiefst. Seine Reaktion ist physisch (Atemnot, Erblassen), was dem misstrauischen Ritter sofort auffällt. Ritter fühlt, Musik triggert bei Burn eine tiefsitzende Erinnerung oder eine unbewusste Schuld.
Neue Szene I. S.: Burn und Ritter eilen zu einem verlassenen Hinterhof-Studio in der Nähe der Kaiserstraße in Frankfurt. Es ist inzwischen 03:14 Uhr nachts. Die Atmosphäre ist unheimlich. Das gedimmte Licht einer Straßenlaterne schneidet durch die staubigen Jalousien. Im Hintergrund läuft auf einem alten Tonbandgerät in Dauerschleife die unheimliche, rückwärtslaufende Tonfolge aus der Theaterinszenierung.
Ritter schaltet das Tonbandgerät mit einem harten Klacken ab; die plötzliche Stille ist fast körperlich spürbar: „Es reicht, Ivo! Hör‘auf zu zittern. Als diese Musik vorhin im Theater einsetzte, bist Du fast kollabiert. Und jetzt stehen wir hier, in der Wohnung eines Toten, und genau dieses Stück läuft auf Endlosschleife. Was triggert Dich daran?“
Burn schluckt schwer, weicht Ritters Blick aus und fixiert die Schatten an der Wand: „Es ist… es ist die Struktur, Ritter. O’Neills Lange Tagesreise. Das ist keine normale Inszenierung. Die Musik dort folgt dem Krebskanon. Sie läuft vorwärts wie rückwärts. Sie bricht die Chronologie der Zeit. Sie reißt alte Wunden auf.“
Ritter tritt einen Schritt näher, die Stimme gefährlich leise flüstert Burn ins Ohr: „Erzähle mir nichts von Musiktheorie. Ich rede von Schuld. Ich rede von diesem Zettel, den wir gerade im Safe des Opfers gefunden haben.“ Ritter zieht einen schmalen, transparenten Beweisbeutel aus seiner Manteltasche. Darin liegt ein zerrissenes Stück Notenpapier. Mit einem Kugelschreiber ist quer über die Linien ein einziger Satz geschrieben.
Ritter (liest vor): „‚LEBEN SIE? NEIN, NEIN, EISNEBEL.‘ Ein perfektes Palindrom, mein Lieber I. Burn. Vorwärts wie rückwärts gelesen exakt derselbe Satz. Ein makabres Wortspiel auf den Tod des Mannes, der hier auf dem Boden liegt.“
Burn starrt auf den Beutel, seine Stimme wird zu einem rauen Flüstern: „Ein literarisches Kabinettstückchen…“
Ritter unterbricht ihn scharf: „Das ist kein verdammtes intellektuelles Rätsel. Sieh die Schrift an. Dieses geschwungene ‚L‘, das kantige ‚Z‘. Ich kenne Deine Handschrift!“ Er knallt den Beutel auf den Tisch zwischen ihnen. „Du hast dieses Palindrom verfasst. Du hast dem Opfer eine Nachricht hinterlassen, bevor oder nachdem man ihm die Kehle durchgeschnitten hat. Also frage ich Dich noch einmal: Welche Rolle spielst Du in dieser langen Reise in die Nacht?“
Burn sieht Ritter nun direkt in die Augen, gequält, aber absolut ernst: „Wenn ich Dir sage, dass ich mich nicht daran erinnere, diesen Satz geschrieben zu haben, Ritter… würdest Du mir glauben?“
Ritter lacht kalt auf: „Das ist mir ein bisschen zu viel Amnesie für einen Frankfurter Opernkenner.“
Burn schreit verzweifelt auf: „Es ist keine Amnesie! Es ist diese Melodie. Vor fünf Jahren, bei einem Fall in Leipzig… dieselbe Musik. Ich war damals nah dran an einem Zirkel, der Kunst und Verbrechen auf perfide Weise vermischt hat. Ich dachte, ich hätte den Fall gelöst. Aber als ich vorhin im Schauspiel diese Noten hörte, … Die Musik war ein Anker. Ein psychologischer Trigger.“
Ritter verschränkt die Arme: „Und der Zettel?“
Burn tritt an den Tisch, seine Finger schweben über dem Plastikbeutel: „Das Palindrom ist kein Geständnis, Ritter. Es ist eine Warnung, die ich damals unter dem Einfluss dieser Inszenierung notiert haben muss. Jemand benutzt meine eigene Vergangenheit gegen mich. Sie wollen, dass Du mir misstraust. Sie wollen, dass die Ermittlungen rückwärtslaufen – genau wie dieses Palindrom. Wenn wir jetzt nicht zusammenarbeiten, führt uns diese Reise direkt in die Falle.“
Ritter starrt Burn lange an. Das Misstrauen steht ihm ins Gesicht geschrieben, doch der analytische Blick des Kollegen lässt ihn zögern. Er greift langsam nach dem Tonbandgerät.

Ritter: „Gut. Dann spulen wir das Ganze noch einmal von vorn ab. Aber wenn Du mich belügst, Ivo Burn, ist das hier Dein persönlicher Vorhang.“
Warten wir nun gemeinsam darauf, wie es mit Burn und Ritter in der nächsten Folge weitergehen wird. Machen Sie einfach mit und schreiben Sie uns!

