Haben Sie schon einmal einen Versuch mit Tarot-Karten gemacht? Der Autor Boris Pofalla von Welt schon. Er fragte danach, ob Tarot denn überhaupt eine magische Praxis sei und probierte es aus, mit Hilfe von Das Tarot von A. E. Waite und P. Colman Smith.
Arthur E. Waite sei zwar Mitlglied in diversen entsprechenden Vereinigungen gewesen, aber im engeren Sinn kein Okkultist. Er versuchte sich an einer Übersicht über die Geschichte des westlichen Okkultismus, den er als Teil der europäischen Geistesgeschichte begriff. Das Tarot wiederum verstand er als einen Teil davon, dem er mit Pamela Colman-Smith neues Leben einhauchte. Arthur E. Waite und Pamela Colman Smith komme so das Verdienst zu, „ein Stück verschüttete oder zumindest verkannte Geistesgeschichte zugänglich zu machen – und die alte Praxis des Kartenbefragens am Leben zu erhalten.“
Tarotkarten selbst seien ein Produkt der Neuzeit, gingen aber in ihren Motiven auf ältere Quellen zurück. So gäbe es biblische Bilder wie das von Adam und Eva im Paradies („The Lovers“), antike mythologische Figuren wie die Sphinx und romantische Phantasien des 19. Jahrhunderts wie den mittelalterlichen Eremiten mit langem Bart.
Vermengt sei alles mit allem wie etwa die „Hohepriesterin“, die eine Schriftrolle unter dem Arm trage, auf der TORA geschrieben steht und deren Krone der altägyptishen Gottheit Isis nachempfunden sei. Dazu kämen sprechende Details und die Verhältnisse, in denen die einzelnen Bildelemente zueinander stünden.
Pamela Colman Smith und Arthur Waite hätten neu überlieferte Tarot-Motive neu zusammengestellt und verdichtet, damit sei die Botschaft in gewisser Hinsicht verkompliziert, aber auch offener gemacht worden. Auf diesem Weg folge ihnen der Herausgeber Fiebig in seiner Interpretation der Karten.
Aufmerksam gemacht hat uns auf das Geheimnis des Tarot ein Leser des UniWehrsEL, den nicht nur die Frage interessiert hat, wer die Tarotkarten erfunden hat, sondern auch gleich einen Bezug zur Oper Carmen gefunden hat. Er erinnert sich an die berühmte Szene, in der Carmen sich die Karten legt und den Tod sieht. Carmen wirft die Karten empört in die Luft, will kein vorprogrammiertes Schicksal. „Mit überdimensionierten Spielkarten, die zu schweben scheinen, symbolisiert die britische Stage-Designerin Es Devlin den Kampf einer starken Frau um ein selbstbestimmtes Leben. Zwei Wochen vor der „Carmen“-Premiere am 19. Juli (2017) gaben die Bregenzer Festspiele am Donnerstag einen ersten Einblick ins Bühnengeschehen.“
Gestorben ist Carmen letztlich tatsächlich und das hat auch den Auftakt zu unserem Opernkrime. Tatort Frankfurt. Welche Rolle spielt die Magie der Musik? mit den Ermittlern Ritter und Opernkenner I. Burn entscheidend geprägt. Zur Erinnerung kurz unsere Eröffnungsszene.

Die Nacht hängt schwer über Frankfurt, als die ersten Streifenwagen mit sirrenden Blaulichtern vor der schmalen Gasse in der Frankfurter Altstadt halten. Eine neonbeleuchtete Bar flackert träge, während ein unaufhörlicher, verzerrter Klang aus einem alten CD-Player durch die kalte Luft dringt – „L’amour est un oiseau rebelle“. Die berühmte Habanera aus Bizets Carmen (die heute ja sogar mit Tattoos geschmückt ist) läuft in Endlosschleife, so laut, dass die Worte fast gespenstisch über die Pflastersteine hallen.

Mit grimmiger Miene öffnet Hauptkommissar Ritter die Tür zum Hinterhof. Das Team stoppt abrupt. Vor ihnen liegt eine junge Frau, leblos auf dem kalten Boden, ihr Körper theatralisch drapiert wie eine Opernfigur – eine moderne Carmen. Ihr Kleid ist dunkelrot, fast wie frisch vergossenes Blut. Der geraffte Rock und die schwarzen Spitzenvolants erinnern stark an eine Zigeunerin, wie sie auf der Bühne dargestellt wird. Ihr langes schwarzes Haar liegt wirr um ihr Gesicht, das Lippen blass, doch mit einem Hauch rotem Lippenstift. Ihre Augen offen, doch ohne Leben.
Eine interessante Idee, dass die Karten tatsächlich ihren Tod vorausgesagt haben könnten … Vielleicht eine Anregung zum Weiterschreiben in unserer Schreibwerkstatt. Was meinen Sie? Wir freuen uns auf Ihre Ideen unter Kontakt!
Unser Leser hat jedenfalls herausgefunden, als Arthur Edward Waite zu Beginn des 19. Jahrhunderts zusammen mit Pamela Coleman Smith die Karten gestaltete waren Geisterbeschwörungen und Spiritismus gerade in Mode wie heute z.B. Computerspiele oder Soziale Netzwerke. Der Unternehmer traf das Medium Pamela Colman Smith genannt Pixie. Sie fertigte ihm die Zeichnungen auf den Tarotkarten an. Pixie hatte ein Faible für Geistergeschichten und sammelte sie, z.B. auch aus Jamaika.
Mit diesen übersinnlichen Geschichten und einem passenden Puppentheater beeindruckte sie ihr Publikum. Sie schrieb Bücher zum Thema Tarot.
Sie arbeitete als Illustratorin für Autoren wie Bran Stoker (dazu auch unser Beitrag zu Dracula unter dem Aspekt des „lüsternen Bösen“). Ganz so einfach war ihr Erfolg dann doch nicht. Sie setzte sich für Frauenrechte ein und musste sich gegen Rassismus und Sexismus zur Wehr setzen.
Mit dem Erfolg ihrer Tarotkarten verdiente Pixie kaum Geld und starb mittellos. Wie traurig!

Für uns besonders interessant im Kontext unseres Seminars zur Thematik des Spiegels und des Spiegelns (Foto Heiner Schwens). So weist uns der Leser darauf hin, bedeutsam sei die enge metaphorische Verbindung zum Konzept des Spiegelns: „Diese Karten dienen als Werkzeug der Selbstreflexion, um einen Blick in das eigene Unterbewusstsein zu werfen. Denn sie fungieren als Spiegel der verborgenen Gedanken, Gefühle, Wünsche oder Ängste. Sie reflektieren die aktuelle Lebenssituation und zeigen oft zwei Seiten einer Situation auf.“
Die Bilder auf den Karten würden dabei helfen, Alltagssituationen aus anderen Perspektiven zu betrachten und sich selbst besser zu verstehen. Wenn Tarotkarten umgekehrt (auf dem Kopf stehend) gezogen werden, würde dies als eine Art Spiegelbild der normalen Kartenbedeutung interpretiert. Es könne eine blockierte, verinnerlichte oder gegenteilige Energie der Karte anzeigen, so könne man es im Berliner Morgenpost nachlesen.
Zusammenfassend lässt sich nach Meinung unseres Lesers sagen: Tarotkarten sind nicht im physischen Sinne Spiegel, sondern fungieren als psychologischer oder spiritueller Spiegel, der hilft, Einsichten zu gewinnen zum Beispiel darüber, wie man unter anderem seinen Traumpartner findet.


