Du betrachtest gerade Musical-Night bei den Residenzfestspielen Darmstadt 2026: Wohlbefinden in einer besseren Welt?

Im Konzert „In eine bessere Welt“ – so lautet das Motto für die Darmstädter Residenzfestspiele 2026 – geht es um Erinnerungen. Dafür sorgen in der Musical-Night die Musical-Sänger Roberta Valentini, Nico Müller und Karim Khawatmi. Sorgen Musicals für Ihr Wohlbefinden, liebe Leser? Wie wäre es mit einem Ausflug in die bunte Welt des Musicals?

Liebe Leser und Leserinnen des UniWehrsEL,

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Im Seminar „Chronos, Kairos und Kultur – Wohlbefinden im Spiegel der Zeit“ geht es genau darum, dass Zeit nicht nur gemessen wird (Chronos), sondern im richtigen Augenblick Bedeutung bekommt (Kairos). Der Kairos ist dieser Moment, in dem etwas in uns kippt: ein Gedanke, eine Entscheidung, ein neuer Blick. Dieser Abend hat genau solche kleinen Kipppunkte gesetzt – musikalisch, bildhaft, und manchmal auch herausfordernd.

Nicht immer war ich von jedem Musical gleich begeistert – aber fast immer hat mich die Frage beschäftigt, welche Perspektive gerade eröffnet wird. Und das ist kulturwissenschaftlich betrachtet vielleicht einer der wichtigsten Punkte: Kultur verändert nicht nur das Gefühl, sie verändert auch die Deutung. Sie schenkt uns neue Zugänge zur Gesellschft, zu uns selbst und zu dem, was als „richtig“ erscheint. Und genau deshalb habe ich den Abend so genossen: Er hat mir nicht nur Musik geliefert, sondern Bilder im Kopf geöffnet. Diese „bessere Welt“ ist nicht erst irgendwann erreichbar – sie beginnt für mich in solchen Momenten, wenn ein Lied etwas in mir trifft und ich plötzlich merke, dass auch mein Leben aus schönen Momenten besteht.

Zum Start Udo Jürgens Aber bitte mit Sahne

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Das Konzert beginnt mit einer Nummer, die der geneigte Zuhörer nicht unbedingt mit dem Genre des Musicals in Verbindung bringt: Udo Jürgens „Aber bitte mit Sahne“. Dabei musste ich feststellen, dass auch das Leben von Udo Jürgens längst Einzug gehalten hat in die verrückte Welt des Musical-Genres. Danach gab es mit dem Udo-Jürgens-Song „Heute beginnt der Rest deines Lebens“ fast schon wie eine Drohung: Wenn du nicht mitmachst bei der lustigen Sause, dann verpasst du hier gehörig was.

Jeden Tag als Chance für einen Neuanfang im Leben anzusehen ist fast schon so, als hättest Du dringend ein Coaching nötig. Coaching wird genau definiert, erscheint mir allerdings als Sammelbegriff für unterschiedliche Beratungsmethoden. Ebenso wie in der psychosozialen Beratung wird man wohl dabei, soviel ich verstanden habe, bei der Entwicklung eigener Lösungen begleitet und gefördert. Es braucht wohl strukturierte Gespräche zwischen einem Coach oder Psychologen mit seinen Kunden oder Klienten; schließlich leben wir gesellschaftlich in einer Welt, die sich ständig verändert und dabei immer neu erfindet. Thema scheint dann die Gefahr der Selbstoptimierungsfalle.

Diese Selbstoptimierungsfalle besprachen wir bereits im UniWehrsEL. Wenn junge Menschen in einen Spiegel schauen, was sehen sie heute? Eine rosige Zukunft? Oder zeigen sie sich selbst und ihre Realität in einem verzerrten Licht?

Die Performance „Paradiesvögel“ von Martina Droste am Schauspiel Frankfurt beleuchtet genau diese komplexen Facetten und zeigt, wie junge Menschen trotz aller Widrigkeiten den Weg in eine vielversprechende Zukunft finden können. Paradiesvögel reflektierte unsere gesamte aktuelle Gesellschaftssituation.

Tabaluga ein Drache und eine Elisabeth

Nach dem „Rest meines Lebens“ kommt Nassaja aus dem „Tabaluga“-Musical von Peter Maffay (wird gerne als Familien-Musical angenommen). Tabaluga ist die Geschichte vom kleinen Drachen Tabaluga.

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Er muss das „wahre Feuer“ finden, um die warme Welt vor dem kalten Herrscher Arktos zu retten. Arktos baut das Eismädchen Lilli, um Tabaluga abzulenken. Ein Happy End gibt es trotzdem zwischen dem Drachen und dem Mädchen. Das klingt schön – an mir war das Musical bisher vorbeigegangen. Das liegt wohl an der Zielgruppe von Familien mit Kindern ab etwa 4 bis 5 Jahren und Peter-Maffay-Fans. Diese Bildungslücke ist nun geschlossen.

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„Ich gehöre nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ über die Kaiserin Sissi war die nächste Musicalnummer. Beim Musical ist mir bisher nur die Werbung über die Kaiserin Sissi aufgefallen. Ich habe mal Urlaub in Linz gemacht. Dort hatte das Musical 2016 Station gemacht und die Werbung war gefühlt in der ganzen Stadt Linz zu sehen. Berühmt war das Musical bei der Premierenbesetzung für den Tod Darstellers Uwe Kröger, der sich mit seiner Performance 1992 in die Herzen aller Musicalfans spielte. In 2025 feierte „Elisabeth“ ihr Comeback im Theater des Westens in Berlin.Vielleicht auch interessant dazu unser Beitrag „Sissi Reloaded oder Deutsches fifty shades„.

Die Ballade „Ich gehöre nur mir“ ist eine Auflehnung von Sissi gegen die Zwänge am Hof. Elisabeth stammt aus der Feder von Levay und Kunze,

wie das Musical „Mozart“. Es erzählt die Biografie des weltberühmten österreichischen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart und seine Selbstzweifel. Mehr zu Mozart liefert unser Beitrag „Mitridate, re di Ponto“ Mozarts Oper neu interpretiert von Claus Guth“

Mozart und die Selbstzweifel und Miss Saigon eine Adaption von Madama Butterfly

Dieses Musical habe ich live in 2015 am Raimund Theater Wien gesehen. Die Musik war für mich nicht so einprägsam. Die österreichische Presse hat das Musical „Mozart“ ziemlich zerrissen. Die Erwartungen nach „Elisabeth“ waren einfach sehr hoch. Harry Kupfer ein berühmter Opernregisseur und häufiger Gast an der Oper Frankfurt hat damals die Inszenierung eher spartanisch angelegt. Ein Rausch an Lebensfreude war also das Musical „Mozart“ damals nicht. Es ging wie wohl auch bei „Elisabeth“ eher primär um die Selbstzweifel einer Person, die in der Öffentlichkeit steht. Das Musical ist nicht so bekannt, weil es diese dunkle Seite eines Prominenten aufzeigt.

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Danach wurde es thematisch noch etwas düster mit „Miss Saigon“ – einem Musical, das die tragische Liebesgeschichte von Kim und Chris vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs erzählt. Es gilt als moderne Adaption von Puccinis „Madama Butterfly“ und ist für seine emotionale Handlung bekannt. Es lief bis Dezember 1999 in Stuttgart. Dramaturgisch geradezu hervorragend ist dabei, dass es mit der Figur des Engineers – ein Zuhälter im Nachtclub „Dreamland“ – aufgrund seines zynischen Humors ein starkes Pendant zum Liebespaar Kim und Chris gibt, was die durchaus ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Vietnamkrieg vertieft (Besprechung Kulturfeder.de 2019). Gerne können Sie zur Vertiefung auch unseren Beitrag „Madame Butterfly – warten im Lost Place“ lesen.

Disneys Musical-Hit-Maschine

Danach konnte das Publikum tief durchatmen und landete bei Disney-Musicals. Zunächst gab es den „Glöckner von Notre Dame“ – eine Figur, die im äußeren hässlich ist, aber im inneren schön. Das trifft auch auf die „Schöne und das Biest“ zu. Leider gab es nicht den „Gaston-Song“. Das ist der Angeber, der Belle durch seine Kraft und Männlichkeit überzeugen will. Stattdessen gab es das Titellied des Musicals. Im Original wird es von Madame Pottie gesungen und drückt die Hoffnung auf eine bessere Welt aus, ganz nach dem Motto des Abends. Danach kommt es zum Duell zwischen King Louis und Balu dem Bären im „Dschungelbuch“. Ich wäre so gerne wie du. Eine kritische Seite vom Dschungelbuch ist ebenfalls im Blog erschienen und kann nachgelesen werden.

Die „Eiskönigin“ ist ein sehr beliebtes Musical über zwei Schwestern und ihre Beziehung zueinander. Die Botschaft ist etwas feministisch: Wenn deine Schwester Hilfe braucht, warte nicht auf den Prinzen, sondern nimm die Sache selbst in die Hand. Nachdem Elsa magische Eiskräfte einsetzt, die sie erst verletzen und dann das Land in einen ewigen Winter stürzen, reist Anna los, um sie zu retten.

Neben „Mozart“ gibt es ein Musical über den Popstar Michael Jackson. Dieses kombiniert seine größten Hits mit der Biografie. Ich mag bei Michael Jackson am liebsten das Video zu Thriller von 1983 unter der Regie von John Landis. Das Video erzählt eine Horrorgeschichte, die in den 1950er-Jahren beginnt. Michael Jackson und seine Freundin (gespielt von Ola Ray) werden im Wald von einem Werwolf angegriffen. Später wandelt sich die Szene in ein Kino, in dem beide einen Horrorfilm ansehen, bevor sie auf dem Heimweg von einer Horde tanzender Zombies umzingelt werden. Diese plötzliche Wendung der Geschichte gefällt mir ganz besonders.

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Gerne können Sie auch die Filmkritik: Michael-Jackson-Biopic „Michael“ (Regie: Antoine Fuqua) ansehen. Viele Rezensionen bemängeln, der Film fühle sich eher wie das bloße Abspulen einer YouTube-Playlist (Beispiel: Michael Jackson – Thriller) an als ein tiefgründiges Drama

Mama Mia und Abba mag jeder?

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Ein großer Musicalerfolg war auch der Film „Mamma Mia“, der die Songs der Popgruppe Abba mit einer lockeren Familienhandlung verband. Es geht um die junge Sophie, die auf einer griechischen Insel heiraten will. Sie will von ihrem Vater zum Altar geführt werden, kennt ihn aber nicht. Nach dem Lesen des Tagebuchs ihrer Mutter Donna lädt sie heimlich drei ehemalige Liebhaber ihrer Mutter ein, die als Vater infrage kommen. Die Abba-Songs wie „Dancing Queen“ und „Take a Chance on me“ sorgen für gute Stimmung und Optimismus. Sie sind auch ohne Musical-Background jederzeit hörbar.

Wicked oder lieber den Zauberer von Oz?

In 2024 kam das Musical „Wicked“ in die deutschen Kinos. Es ist ein sehr beliebtes Musical in USA. In 2007 fand die deutschsprachige Erstaufführung in Stuttgart statt. Das Musical erzählt die Vorgeschichte vom „Zauberer von Oz“ wie aus der grün-häutigen Elphaba die „Böse Hexe des Westens“ und aus der beliebten Galinda/Glinda die „Gute Hexe“ wurde. Ich bin ein großer Fan des „Zauberer von Oz“ und habe mich anderseits nie besonders für das Musical erwärmt. Ich mag die Geschichte um das Waisenmädchen Dorothy, das sich in die Smaragdstadt aufmacht, um den Zauberer von Oz zu treffen, einfach lieber als die Vorgeschichte. Deshalb hat mich der Song Defying Gravity, wo Elphaba erkennt für sich selbst einzustehen nicht besonders berührt. Dass die böse Hexe des Westens einmal eine unsichere Schülerin war, finde ich nicht so spannend wie die Story um Dorothy und ihre Begleiter.

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In dem fiktiven Krimi-Projekt „Teil XI: Schreibwerkstatt ‚Tatort Frankfurt‘“ nutzen die Schreibenden die reale Popkultur rund um den Kinofilm Wicked als Kulisse für ihre Geschichte. Der Inhalt: Paula erklärt darin, dass Hexenkostüme dank des Musical-Films mit Cynthia Erivo und Ariana Grande total angesagt sind. Sie beschreibt dabei detailliert Grandes Rolle als gute Hexe Glinda (pastellrosa-silbernes Kleid, Tüll, glitzernde Krone und glänzende Lippen) als absolutes Fashion-Vorbild. Die Verbindung im Text: Die fiktive Klatschreporterin Paula Pechstein unterhält sich mit der Hauptfigur Ritter inmitten eines Meeres aus Kostümen.

Tanz der Vampire, Tina Turner und ein Zirkusdirektor

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Die Story um den kauzigen Vampirforschers Professor Abronsius und seines schüchternen Assistenten Alfred finde ich sehr unterhaltend. Deshalb mag ich auch das Musical „Tanz der Vampire“, der auf einem Kurzfilm von Roman Polanski basiert.

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Nach den düsteren aber etwas sonderbaren Vampiren und deren Jägern folgt ein weiterer Disneyklassiker mit dem König der Löwen. Es ist die Geschichte des jungen Löwen Simba: Er wächst als Thronfolger von König Mufasa in der afrikanischen Savanne auf. Nach einer Intrige seines bösen Onkels Scar stirbt Mufasa. Simba flieht schuldbewusst ins Exil. Onkels Scar ist ein großartiger Schurke und sorgt für reichlich Zündstoff bis zum großen Finale. Sie erinnern sich vielleicht auch an unseren Beitrag „Der König der Löwen“ Internationales Jungendmusikorchester Darmstadt – Gedanken zum Löwen als Symbol

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Mit „Simply the Best“ schuf Tina Turner einen großen Hit. Daher ist Tina Turners Biografie auch ein Teil des Musicalkosmos geworden.

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Udo Lindenberg stand Pate für das Musical „Hinterm Horizont“ und erzählt die Story über die deutsche Teilung, das ist inzwischen auch zum pädagogischen Schulprojekt geworden. Im Jahr 1983 gibt Udo ein Konzert im Ost-Berliner Palast der Republik und verliebt sich dort in das junge FDJ-Mädchen Jessy – das reale „Mädchen aus Ost-Berlin“. Dazu auch unser Beitrag „Cinderella“ – getanzte Illussionen oder „Mädchen aus Ost-Berlin“.

Ein sehr opulenter Musicalfilm ist „The Greatest Showman“ um den frei erfundenen Zirkuspioniers P. T. Barnum. Mir war der Film damals zu überladen und ich habe deshalb mich von der Musik nicht überzeugen lassen. In der Musical-Night fehlten mir persönlich Andrew Andrew Lloyd Webber mit seinen Musicals wie Phantom der Oper, Cats oder Evita. Andrew Lloyd Webber scheint etwas aus der Musical-Mode gekommen zu sein. Über ein Musical wie Saturday Night Fever hätte ich mich zusätzlich zu den Abba-Hits gefreut.

Vielleicht sind es gerade solche Abende, die mich erinnern: Man darf sich tragen lassen, man darf lachen, man darf nachdenken – und man darf sich neu entscheiden. Wohlbefinden entsteht dann nicht aus Perfektion, sondern aus dem Gefühl, dass man nicht allein ist mit dem, was einen bewegt. Kultur nimmt einen mit, Schritt für Schritt, und schenkt Kairos – diesen besonderen Augenblick, in dem aus „irgendwie“ plötzlich „ich kann“ wird.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Kulturbotschafter des UniWehrsEL

  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrag zuletzt geändert am:21. August 2026
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