Du betrachtest gerade Betrachtung „Parasite“, Antwort auf „American Psycho und „No other Choice“- Hoffnung in einer ungerechten Welt?

Als unser Kulturbotschafter des UniWehrsEL den Text zu „No Other Choice“ und „American Psycho“ las, überkam ihn eine atemlose Spannung. Diese Filme, so unterschiedlich sie auch sein mögen, riefen in ihm Erinnerungen an den koreanischen Film „Parasite“ von 2019 hervor. Der südkoreanische Film zeigt die Realität des Kapitalismus, die Kluft zwischen Arm und Reich und schrieb bei der Oscarverleihung 2020 Geschichte. Parasite gewann als erster nicht-englischsprachiger Film den Hauptpreis „Bester Film des Jahres„. Das Drama unter der Regie von Bong Joon Hoer hielt insgesamt vier Oscars.

Liebe Leser und Leserinnen des UniWehrsEL,

Die Geschichte der Familie Kim, die in einem dunklen Keller lebt, und der wohlhabenden Familie Park, die sich in ihrer luxuriösen Villa sonnt, ist ein packendes Spiegelbild unserer Welt, in der Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben oft an den gleichen Wänden scheitern – der brutalen Ungleichheit und dem gnadenlosen Klassebewusstsein. Der Filmtitel ist doppeldeutig. Einerseits scheinen die Kims wie Parasiten vom Reichtum zu leben. Auf der anderen Seite der Medaille sind die Parks unfähig alltägliche Dinge zu erledigen und hängen von der Arbeitskraft der Unterschicht ab.

Die vierköpfige Familie Kim – bestehend aus Kim Ki-taek, seiner Frau Chung-sook, Sohn Ki-woo und Tochter Ki-jung – lebt in ärmlichen Verhältnissen in einer schäbigen Souterrainwohnung.

Sie sind immer auf der Suche nach freiem W-Lan und öffnen sogar die Fenster, wenn die Straßenreinigung Ungeziefermittel versprüht, um die Hauskakerlaken loszuwerden. Als Ki-woo die Möglichkeit erhält, als Nachhilfelehrer bei der wohlhabenden Familie Park zu arbeiten, nutzen die Kims eine Reihe von Tricks, um in das Leben der Parks einzudringen.

Die Kims leben in ständiger Not, und ihre Psychologie ist von Verzweiflung und einem innigen Zusammenhalt geprägt. Jedes Familienmitglied kämpft darum, das Überleben zu sichern, was sie häufig zu kreativen Lösungen zwingt. Im Kontrast dazu stehen die Parks, die in einem Gefühl der Sicherheit und Überlegenheit leben. Ihre Blindheit gegenüber dem Leid der Kims verdeutlicht, wie Wohlstand auch soziale Trennungen schafft. Während die Kims durch enge familiäre Bindungen gestärkt werden, zeigt sich bei den Parks eine frostige Beziehung, die durch materielle Werte und naive Sichtweisen auf das Leben ihrer Angestellten gekennzeichnet ist.

Diese Dynamik verdeutlicht, dass sowohl Reichtum als auch Armut ihre eigenen psychologischen Probleme hervorrufen und die Kluft zwischen den Klassen schmerzlich sichtbar wird.

Bild von Mohamed_hassan auf Pixabay

Ein Blick auf „American Psycho“ ist zum Begreifen von Parasite aufschlussreich. Während Patrick Bateman die Obszönität des Reichtums feiert und durch seine gestörte Wahrnehmung der Welt agiert, zeigen die Kims eine andere, verzweifelte Realität. Beide Filme thematisieren das Spannungsfeld zwischen der Oberschicht und denjenigen, die darunter leiden, doch während „American Psycho“ in monströsem Zynismus versinkt, bleibt „Parasite“ emotional und greifbar.

Im Gegensatz dazu leben die Parks im Wohlstand,

wobei Brecht treffend in seiner drei Groschenoper feststellt: „Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm.“ Diese Aussage verdeutlicht, dass Wohlstand nicht nur materielle Sicherheit umfasst, sondern auch ein Gefühl der Geborgenheit und Freiheit von existenziellen Ängsten. Die Parks erleben die Welt durch eine rosarote Brille, die sie blind für das Leid der Kims macht. Ihre technologischen Annehmlichkeiten und der Luxus, den sie genießen, stehen im krassen Gegensatz zu der desolaten Situation der Kims, die täglich um das Nötigste kämpfen müssen. Ihr Leben verkörpert die moderne Form der Oberschicht, die heute ungleichmäßiger verteilt ist als je zuvor. Laut dem aktuellen Ungleichheitsbericht von Oxfam hat das Vermögen der Milliardär*innen im letzten Jahr um 2,5 Billionen US-Dollar zugenommen – eine Summe, die fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung entspricht.

Diese extreme Ungleichheit gefährdet nicht nur die soziale Gerechtigkeit, sondern auch die Demokratie selbst. Der Mangel an Ressourcen und Sicherheiten bei der Familie Kim sorgt für eine andere Art von Stress und Angst, die ihre Lebensrealität prägt. Dieser fundamentale Unterschied in ihrer Existenz führt zu einer Entfremdung zwischen den beiden Familien.

Nach einigen Manipulationen gelingt es ihnen, die Park-Familie als ihre Klienten zu gewinnen, wobei sie ihre wahre Identität geheim halten. Doch als die frühere Haushälterin zurückkehrt und ein Geheimnis aus dem Bunker im Haus enthüllt, eskaliert die Situation in einem dramatischen Kampf um Leben und Tod. Am Ende bleibt die Familie Kim in ihrer Armut gefangen, während die Kluft zwischen den Klassen gnadenlos sichtbar wird – eine bittere Realität, die den Traum vom sozialen Aufstieg als Illusion entlarvt.

Familien gegen Familien

Im Film „Parasite“ stehen sich zwei Familien gegenüber: die Kims, die alles versuchen, um aus der Armut zu entkommen, und die Parks, die einfach nichts von der Not der anderen wahrnehmen.

Vor der Französischen Revolution lebte die französische Aristokratie in einem ähnlichen Zustand der Abgehobenheit. Diese Eliten genossen enorme Reichtümer und Privilegien, während das Volk in Armut lebte. Der Kontrast zwischen den opulenten Palästen der Adligen und den elenden Bedingungen der Bauern und Arbeiter war frappierend. Diese soziale Ungerechtigkeit führte zu einem tiefen Unmut in der Bevölkerung. Die Aristokratie, so wie die Parks, war oft blind gegenüber den Leiden des Volkes. Sie vertreten eine Weltanschauung, die auf Tradition und Macht stützt, und versäumten es, die wachsenden Spannungen und das Streben nach sozialen Veränderungen zu erkennen.

In „Parasite“ wird die Familie Park als Abbild der modernen Oberschicht dargestellt, die in einem Leben des Überflusses gefangen ist. Ihr Verhalten und ihre Privilegien erinnern an die französische Aristokratie vor der Revolution. Diese Parallelen verdeutlichen die sozialen Spannungen, die auch damals herrschten, sowie die Gefahr der Entfremdung und der sozialen Ungerechtigkeit. Die Parks leben in einem eleganten, großzügigen Haus in den Hügeln von Seoul. Ihr Leben ist geprägt von Wohlstand, Bequemlichkeit und einem Gefühl der Überlegenheit. Sie scheinen sich nicht nur über ihre soziale Position bewusst zu sein, sondern genießen auch die damit verbundenen Vorteile, während sie gleichzeitig Schlüsse aus der Not der Kims ziehen.

Wie die französische Aristokratie vor der Revolution zeigt sich bei den Parks eine tiefgreifende Blindheit gegenüber den alltäglichen Kämpfen der Unterschicht. Die Kluft zwischen ihrer Lebensrealität und der der Kims könnte nicht größer sein, was zu einer gewissen Entfremdung und zu einem Unverständnis führt. Der Gedanke, dass ihre privilegierte Position durch die Ausbeutung der Kims aufrechterhalten wird, scheint ihnen nicht zur Last zu fallen. Sie stellen die Kims nicht nur als Angestellte, sondern auch als eine Art „Parasit“ dar, der für ihr Glück sorgen soll, ohne ihre eigenen Kämpfe zu erkennen.

Diese Konfrontation ist nicht nur ein direkter Kampf ums Überleben, sondern auch ein Symbol für die Hoffnung, die in der Illusion des sozialen Aufstiegs gefangen ist.

Image by Olena from Pixabay

Wie Karl Marx (auch unser Beitrag Widerstand und Waldesrauschen) es formulierte, sind beide Familien in einem System gefangen, das sie als Individuen gegeneinander kämpfen lässt, anstatt gemeinsam gegen das System der Ungleichheit.

Hoffnung als Illusion

Image by geralt from Pixabay

Trotz ihrer Anstrengungen bleibt die Hoffnung, die Kims könnten eines Tages in den Wohlstand aufsteigen, unerreichbar. Die letzte Szene des Films zeigt den schmerzlichen Traum vom eigenen Haus als eine unerfüllbare Illusion. Es wird deutlich, dass die Kims, egal wie kreativ oder entschlossen sie sind, in ihrem Keller unter dem Druck des kapitalistischen Systems bleiben müssen. Ki-woo plant zwar, viel Geld zu verdienen, um seinem Vater ein Haus zu kaufen – doch das scheint ein Wunschtraum eine reine Fantasie zu bleiben. Ein Bild, das sich in den Köpfen der Zuschauer festsetzt und die Träume von sozialem Aufstieg als grausame Ironie entlarvt.

In ähnlicher Weise zeigt der Film „No Other Choice“ die Tragödien von Menschen, die in einem System gefangen sind, das ihnen keinen Ausweg bietet. Die verzweifelten Versuche, ihre Realität zu ändern, enden oft in noch mehr Frustration und Schmerz. Beide Filme verdeutlichen die Perspektivlosigkeit, die viele Menschen erleben, während sie versuchen, gegen unbeugsame soziale Strukturen anzukämpfen.

Das Spiegeln der Familien: Oben und Unten

Die bildliche Darstellung von Oben und Unten spiegelt die Klassenunterschiede wider. Während die Parks in der Höhe leben, kämpfen die Kims im Keller ums Überleben. Der Regen, der die Lebensräume der Kims überschwemmt, zeigt, wie die privilegierten Familien in ihrem Elfenbeinturm leben, unberührt von den Kämpfen, die unten ausgefochten werden. Dieser Kontrast zwischen den Familien ist nicht nur grausam, er ist auch real.

In einem System, das den Wettkampf fördert, können die Kims nicht einfach „gut“ oder „schlecht“ sein. Sie sind Überlebenskünstler, die im Schatten der Oberschicht leben und, wie es Marx beschrieb, als Teil eines Kreislaufs der Ausbeutung gefangen sind. Letztlich stellt „Parasite“ die Frage: Wie lange können solche Strukturen bestehen bleiben, bevor die unterdrückten Stimmen sich erheben?

„Parasite“ bleibt im Gedächtnis, weil er die Realität der sozialen Ungleichheit so brutal offenbart. Die Emotionen, die der Film weckt, sind tiefgreifend und erinnern uns daran, dass die Hoffnung auf Veränderung in einem kapitalistischen System oft nur eine Illusion ist.

Liebe Grüße

vom Kulturbotschafter des UniWehrsEL

  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrag zuletzt geändert am:22. Februar 2026
  • Lesedauer:8 Min. Lesezeit