You are currently viewing “Annette, ein Heldinnenepos” – wie weit darf der Mensch für seine Überzeugungen gehen?

Gerade wird am Schauspiel Darmstadt die Bühnenfassung von „Annette ein Heldinnennepos“ von Anne Weber, in der Fassung von Anja Schupp gespielt. Was wie ein verrücktes Märchen anmutet, ist eine Geschichte zum hochinteressanten Leben einer mutigen Frau.  Anne Weber erzählt im Buch in Versform vom Leben der französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir während des Zweiten Weltkriegs. Das “Heldinnenepos” berichtet über das unwahrscheinliche Leben einer mutigen Frau und fragt: “Was treibt jemanden in den Widerstand? Was opfert er dafür? Wie weit darf er gehen? Was kann er erreichen?“ Noch heute gilt Annette als Beispiel für die Bedeutung des Ungehorsams. Lesen Sie die Zusammenfassung unseres Kulturbotschafters des UniWehrsEL.

Liebes UniWehrsEl,

Annette ist eine Frau, die sich an ihren Idealen orientiert. Sie hat einen guten Kompass für die Entscheidungen, damit sie sich selbst noch anschauen kann, sie folgt ihrem eigenen Gewissen. Eine bewundernswerte Frauenpower, die ohne Narzissmus und Selbstgerechtigkeit auskommt.

Geboren ist Anne Beaumanoir 1923 in der Bretagne. Ihr Spitzname ist Annette. Sie studiert während des Zweiten Weltkriegs in Rennes Medizin. Annette bringt sich als Studentin in die Resistance dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung ein. Sie geht in den Untergrund von Paris.

Ihre erste Heldentat begeht sie, indem sie jüdische Jugendliche und ein Baby vor dem Zugriff der Nazis bewahrt. Sie tut dies aus innerer Überzeugung und obwohl sie weiß, eine von der Führung des Widerstands unautorisierte Rettungsmission wird nicht gebilligt.

Sie arbeitet als Ärztin in Marseille nach Kriegsende. Doch in das bürgerliche Leben kann sie sich nicht einfügen. Die traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter will sie, trotz Heirat in den 1950ern, nicht annehmen. Stattdessen zieht sie der Frankreich- vs. Algerienkonflikt magisch an. Auch diesmal geht Annette in den Widerstand. Nun gegen das eigene Land Frankreich, das Algerien besetzt.

Trotz zweier Söhne – die sieht sie für Jahre nicht mehr – schließt Annette sich der algerischen Befreiungsfront kurz „FLN“ an, wird “Kofferträgerin“, wie man im Tagesspiegel nachlesen kann, um gegen die französischen Besatzer zu kämpfen.  Von den Franzosen wird sie als Terroristin angesehen. Offiziell ist sie jedoch als Touristin in Algerien. In Tunis hat Annette Kontakt mit Franz Fanon einem Freiheitskämpfer. Durch ihn trifft Annette auf Ben Bella. Er wird später Präsident von Algerien. Sie wird sogar ein Teil der Regierung ohne französische Beteiligung. Für ihre Verdienste erhält sie die Staatsbürgerschaft und kümmert sich um das Gesundheitswesen von Algerien.

1965 gibt es einen Putsch und Annette muss in die Schweiz fliehen, weil es eine neue Regierung gibt. Ab 1965 leitet Annette in Genf die Neurologie. Sie stirbt mit 99 Jahren in 2022.

Die Inszenierung von Antje Schupp zeigt viele historische Bilder, Berichte über die Zeit in der Annette lebt. Vier Schauspieler erzählen dem Publikum die Lebensgeschichte von Annette nach. Die Bühnenfassung hat Opernlänge mit zweidreiviertel Stunden. Das Stück ist mehr ein bebilderter Vortrag des Buches, als ein Schauspiel mit verschiedenen Rollen. Der Regisseurin scheint es wichtig gewesen, den Lebensweg möglichst präzise wiederzugeben. Zwar gibt es auch Streichungen. Diese werden von den Schauspielern angesagt.

Danke an den Kulturbotschafter des UniWehrsEL und an Gerd Altmann auf Pixabay!

  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrag zuletzt geändert am:25. Mai 2024
  • Lesedauer:4 min Lesezeit